Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 13 (1937-1938)
- Issue
- Heft 11 (Februar 1938)
- Article
- Götter, Helden und Jiddisch [Rezension]
- Date
- 1938-02-01
- Page
- 487 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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auch wie aus Hollywood, sagt er, und wenn sie sich am Ende nicht kriegen, Herr Dichter, dann warten Sie gefälligst noch ein, zwei, drei Jahrtausend', sagt er. Und die Leser und Leserinnen sagens wahrscheinlich nach. Aber die jiddischen Post-Leser in und um Krakau haben nun ein, zwei, drei Jahrtausend gewartet und jetzt gibts kein Warten mehr. Vor dreißig, vierzig Jahren haben sie ihren Kitsch verschlungen, ihr Mann, der die edelsten Barone und die hübschen Aschenputtel sich auf jiddisch kriegen ließ, hieß Schomer, — Scholem Alechem hat ihm den Garaus gemacht (soweit Unkraut überhaupt vergeht); und nun .. . Antigone. Natürlich nur in Krakau; aber immerhin. Und man versucht, sich die Leser vorzustellen, die anstatt bei einer operettenhaften Liebesszene beim Kernwort der Antigone erschauern. Vielleicht ist jemand wie Scholem Alechem oder Bialik dabei und denkt: Gebenscht sollen sie sein, unsere jiddischen Sophoklisten; ungeheuer ist viel, doch nichts ungeheurer als der Mensch___ Und doch möchte man verteufelt gern wissen, wie sichs jiddisch ausnimmt: Nicht mitzuhassen, mitzulieben bin ich da! Denn das ist doch die Hauptsache. —ch Festschrift zum 120jährigen Bestehen des Israelitisdten Tempels in Hamburg, 1817—1937, herausgegeben von Oberrabbiner Dr. Italiener, Hamburg 1937. Zum 120jährigen Bestehen des Israelitischen Tempels in Hamburg gibt Oberrabbiner Dr. Bruno Italiener eine Festschrift heraus, die als Fortsetzung der von D. Leimdörfer zum 100jährigen Bestehen des Tempels veranstalteten gedacht ist. Sie enthält wertvolle wissenschaftliche Beiträge und Auszüge aus Predigten und Ansprachen, die im Hamburger Tempel im letzten Jahrzehnt bei besonderen Anlässen gehalten worden sind, u.a. Baecks gedankenreiche Rede bei der Amtseinführung des derzeitigen Oberrabbiners und dessen Antrittspredigt. Aus dem wissenschaftlichen Teil seien die Arbeiten der früher am Tempel wirkenden Männer hervorgehoben: Cäsar Seligmann „120 Jahre Hamburger Tempel", Paul Rieger „Die Hamburger Tempelgemeinde — die Muttergemeinde der neuzeitlichen Judenheit", die des jetzigen Oberrabbiners über „Gotthold Salomon" und des Oberkantors Leon Kornitz er über „120 Jahre Kultmusik im Hamburger Tempel". Sie lassen die große Bedeutung erkennen, die dieser oft angefeindete Hamburger Tempel im Judentum Deutschlands gehabt hat und noch hat. Von Anfang an war die Tempelgemeinde sich der Verantwortung vor dem alt-überlieferten Judentum bewußt. Sie scheute davor zurück, ohne zwingende innere Notwendigkeit die Struktur des überkommenen Gottesdienstes zu ändern, doch war sie zugleich allem Neuzeitlichen aufgeschlossen. Davon zeugt das Tempelgebetbuch, das in verschiedenen Auflagen den lebendigen Ausdruck der jeder - Generation innewohnenden religiösen Bedürfnisse darstellt. Die Führer der Tempelgemeinde leitete der Wille, „verwitterte Formen, abgestorbene Schalen vom Kern zu lösen, um dadurch ihn selbst lebensfähig zu erhalten": natürliche Fortbildung des Judentums 487