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Der Morgen · 1937-12-01 · Heft 9 (Dezember 1937) · p. 376

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
13 (1937-1938)
Issue
Heft 9 (Dezember 1937)
Article
Die Ideen des Crassus
Date
1937-12-01
Page
376 (sequence 5)
Language
German
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IRI
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M. Y. Ben-Gavriel: Die Ideen des Crassus wertigen Ersatz finden, so daß die Brände entweder zu spät oder zu früh gelöscht wurden und er alle Lust an diesem immer schlechter gehenden Geschäft verlor. Er löste daher das Unternehmen auf. Die Wut gegen den ungetreuen Parther aber fraß sich in ihm derart fest, daß er dem Senat monatelang in den Ohren lag, Krieg gegen das Volk der Parther zu führen, die, wie er sagte, imstande seien, ein Bündnis mit den Judäern zu schließen, und ihm den Oberbefehl über das Heer zu geben. Endlich gab der Senat nach, und Crassus zog gegen Parthien. Der Zug stand unter keinem günstigen Stern. Verschiedene Spekulationen unterwegs schlugen dem Bankier-General fehl, ausgenommen der Versuch, in Jerusalem den Tempelschatz zu bestehlen, was ihm rund zehntausend Talente Gold eintrug, und als er in die parthischen Berge kam, setzten ihm die stets unerreichbar bleibenden Streifkommandos der parthischen Reiter derart zu, daß er mit Sehnsucht an die schöneren Zeiten seiner Feuerwehr zurückdachte. Schließlich wurde die Situation derart unhaltbar, daß seine Legionäre, bei Karrhae rings von Feinden umgeben, die Hoffnung verloren und ihn zwangen, den feindlichen Feldherrn Surenas um eine Unterredung zu bitten. Mit der Staatstoga angetan, den Feldherrnstab in der Hand kam Crassus zu dieser endlich bewilligten Unterredung. Doch als er im Zelt saß, von Kissen umgeben, die sein Gewicht aufrechterhielten, das undurchdringliche Antlitz des Surenas vor sich, verließ ihn zum erstenmal im Leben sein Optimismus. Neben Surenas nämlich, im Halbdunkel des Zeltes, saß ein Individuum, das, obgleich das Gesicht nicht zu erkennen war, ihm unheimlich bekannt erschien. Seine Gedanken waren nicht bei der Unterredung, und er gab dem feindlichen Kommandanten vollkommen verkehrte Antworten, denn unablässig beschäftigten seine Gedanken sich mit der Frage, wer der Unheimliche dort hinten sei. der den Kopf auf einen Länzenschaft stützte. Doch in dem Augenblick, da endlich wie ein Blitz ihn das Bild jenes für seine Spekulationen so unglücklichen Brandes durchfuhr, beugte der Unheimliche sich vor, er erkannte seinen ehemaligen Feuerwehrkommandanten, den er hatte auspeitschen lassen, allein ehe sein Schrei über die Lippen kam, fuhr eine Lanzenspitze an seinem Gesicht vorbei und grub sich, ein heißes Eisen, in seine Gedärme. Ein Gedanke, ein lächerlicher Todesgedanke, „Es brennt und Crassus kann nicht einmal den halben Wert bieten", sprang durch sein Gehirn, ein ekelhafter Klumpen Blut fuhr aus seinem Mund, und dann wischte der ehemalige Kommandant der römischen Feuerwehr mit dem Togazipfel des toten römischen Heerführers sich ein paar Tropfen römischen Blutes von der nackten Kniescheibe. 376

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