Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 13 (1937-1938)
- Issue
- Heft 9 (Dezember 1937)
- Article
- Nachruf auf Felix Warburg
- Date
- 1937-12-01
- Page
- 370 (sequence 3)
- Language
- German
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Leo Baeck hat sein Name das Eigengepräge, den eignen Klang gewonnen. Seinen besondern Bereich hat Felix Warburg so gefunden. Zuerst, und bis zuletzt dann, war es die Arbeit des „Joint", die ihm dieses Persönliche und der er seine Persönlichkeit schenkte. Der Joint ist ein Hilfswerk nicht wie manche andere; er ist ein Gebot ohne Ende, er kann nie sein Helfen abgeschlossen haben. Seine Pflicht ist bleibend, solange die Not unter Juden bleibt. Und damit ist sein Schaffen vor den weiten Horizont hingeführt; es ist nicht für Juden in einem Lande bloß hingestellt, sondern bestimmt, der Not von Juden zu begegnen, wo immer sie sich regt. Der rechte Mann hierfür war Felix Warburg deshalb schon, weil er aus Deutschland gekommen war, dem Lande einst der Nachbarschaft östlicher jüdischer Not und der ersten organisierten Hilfe für sie, dem Lande, dessen Juden dann selber nach dem .Beistande ausschauen mußten. Felix Warburg hat auch nie vergessen, woher er kam. Vielleicht kann keiner es vergessen, der aus unseren Gemeinden von uns geht; aber er hat es nie vergessen wollen, er hat sich immer dazu bekannt, hat nicht Mißdeutung gefürchtet. Gerade dadurch hat er sich gewissermaßen den eigentlichsten Platz in seinem Lande errungen. Denn dadurch kam in sein Leben der Sinn älterer Aristokratie noch und der Geist dann ältesten Adels, dieser biblische Geist des Judentums, der sich ohne „Bindestrich" mit andern Leistungen, andern Kräften vereinen kann, dieser, wenn das Wort gebraucht werden darf, alttestamentarische Glanz, ohne den die Geschichte Amerikas nicht zu denken ist. Auch in dem großen Gesichtskreise des Joint hatte dazu Felix Warburg den persönlichen Blick. Er brachte die Gabe mit, Zusammenhänge zu erkennen und zu beachten, und das Jüdische in ihm hat diese Fähigkeit dann noch geweitet und gefestigt. Man kann ein Jude nur sein, wenn man das Ganze sieht, wenn man universell denkt. Wessen Blick innerhalb der Schranken, der Gruppen, der Parteien, der Sonderinteressen bleibt, der ist vielleicht auf dem Wege zum Jüdischen, aber er ist noch nicht im Jüdischen, er ist noch nicht ganz ein Jude. Hier in dem Werke der Hilfe, in dem gelernt wurde,' nie aufzuhören und immer aufs Ganze zu sehen, konnte Felix iWarburg sein Eigenes entfalten. Die ererbte Art, auszugleichen und zusammenzuführen, nicht nur zu helfen, sondern helfen zu wollen, universell zu sehen und zu denken, die ererbte Güte, Vornehmheit, Rechtschaffenheit und Weisheit konnte er hier Jahr um Jahr neu bewähren, neu erwerben, um sie zu besitzen. Das Werk der Jewish Agency war dann im seelischen Grunde ein Gleiches. Nicht dem Teile, sondern dem Ganzen will es doch dienen, nicht Trennung, sondern Gemeinsamkeit will es bedeuten, nicht hierhin und dorthin, sondern zur Einheit von Ge- 370