Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 13 (1937-1938)
- Issue
- Heft 9 (Dezember 1937)
- Article
- Wettlauf der Hilfe
- Date
- 1937-12-01
- Page
- 358 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2895450-2895566-2895576-2907754--10214-2907781- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Wettlauf der Hilfe bei Institutionen oft der Fall, die mit gewissen Zwangserhebungsrechten begabt sind, so erst recht bei solchen, die hauptsächlich mit Mitteln aus jüdischen Sammlungen im Ausland arbeiten. Dann nämlich ist die Gegenseitigkeit zwischen Gebenden und Empfangenden aus etwa dem gleichen Lebenskreis aufgehoben und damit ein Gefühl der Kontrolle durch die öffentliche Meinung beseitigt, das sonst über die Anwendung der Mittel wacht: eine Organisation bleibt nur der andern, manchmal nur ein Fonds dem andern verantwortlich. Das wickelt sich in der gehobenen Sphäre weltstädtischer Büros und in der Form von Konferenzen diplomatischen» Niveaus ab, geheimnisvolle Begriffe des internationalen Zahlungsaustausches kommen hinzu, und ganz verschwunden ist aus der Mitbestimmung auf der einen Seite der schlichte Jude, der gibt, und auf der andern Seite der schlichte Jude, der empfängt. Dieses Verhältnis hat etwas fast Schicksalhaftes. Denn jene Großen draußen, die verteilen, was andere gegeben haben, besitzen ihre Dogmen der Hilfe. Und wie meist ist man auch dort selten bereit, vom eignen Dogma abzusehen, sobald der Empfänger sich dessen realem Ausdruck nicht seinerseits zu entziehen vermag. Tausende Kilometer und viele dicht gepolsterte Konferenzzimmertüren liegen zwischen den Menschen, die bestimmen, und denen, für die der Beschluß zur Bestimmung wird. Man kommt mit dem alten jüdischen Gottvertrauen, der unmittelbaren tätigen jüdischen Hilfe eben anscheinend nicht mehr aus. Man muß modern sein, der Zeit Rechnung tragen, die Hilfe organisieren. Ein ungeheurer Wille zum Helfen geht durch die ganze jüdische Welt. Vielleicht noch niemals war diese politisch so ohnmächtige jüdische Welt in ihrem Willen zur Hilfe so stark und geschlossen wie heute. Es kann fast von einem Wettlauf der Hilfsgedanken und der Hilfsorganisationen gesprochen werden, von denen jeder als der echte, meistversprechende zur Diskussion gestellt, als unbestreitbar behandelt werden möchte. Man macht verschiedene Sammlungs-, pardon : Lösungsgedanken populär. Und in den Spitzenbüros vergleicht man die Ergebnisse und mißt daran, welche Hilfsideen augenblicklich, wenn man so sagen darf, vorne Hegen. Mitunter muß der Betrachter befürchten, daß bei diesem 358