Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 13 (1937-1938)
- Issue
- Heft 8 (November 1937)
- Article
- [Rezension] / A...n
- Date
- 1937-11-01
- Page
- 355 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- spine
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lässig geordnet reicht Vor andern ähnlichen Werken hat Mandelkerns Konkordanz voraus, daß sie alle Stellen im vollen Wortlaut des massoretischen Textes anführt, und zwar in der jüdischen Reihenfolge der biblischen Bücher. Dann aber sind die jedem Wortstamm beigegebenen lateinischen und hebräischen Erklärungen und Übersetzungen von großem Wert, und schließlich steht Mandelkern in der Exaktheit und Vollkommenheit weit über allen anderen Konkordanzen. War in der ersten Auflage (wie es bei einem derartigen Unternehmen nicht anders sein konnte) noch eine große Anzahl von Fehlern und Irrtümern geblieben, so ist diese neue Auflage unter Berücksichtigung aller seitdem erschienenen Nachträge und Einzeläußerungen verbessert und ergänzt, und in zwei Anhängen werden noch Fehler berichtigt und Ergänzungen zugefügt Der Mandelkern — ein jedem Bibelwissenschaftler geläufiger Begriff — ist so im Werte für den Benutzer gestiegen, und die jüdische Wissenschaft wie der Verlag können stolz sein auf dieses jüdische Werk. A..n Franz Kafkas gesammelte Schriften Mit dem sechsten Bande ist die von Max B r o d herausgegebene Gesamtausgabe nun vollständig geworden, erschienen im Verlag Heinrich Mercy Sohn in Prag. Anlage und Ausstattung sind dieselben geblieben. Zur Ergänzung will der Herausgeber noch eine Biographie folgen lassen. Diese Ausgabe erfüllt einen großen Wunsch der Menschen, die in Franz Kafka den vielleicht tiefsten jüdischen Gestalter einer Generation verehren, zu der immerhin ein Franz Rosenzweig gehört. Doch „erfüllt" ist eigentlich zuviel gesagt. Diese Ausgabe macht das dichrische Werk übersehbar und erweitert die Kenntnis durch viel Unveröffentlichtes; nur zwei Fragmente, „Der kleine Ruinenbewohner" und „Die städtische Welt" hält Brod noch zurück. Von den noch völlig unbekannten Tagebüchern aber erscheinen vollständig auch hier nur die der Jugendjahre, aus den späteren nur „Andeutungen", und die Briefe geben ebenfalls nur Proben der Korrespondenz mit mehreren Freunden, von dem wohl wichtigsten Briefwechsel mit der Braut und mit der Familie enthalten sie gar nichts. Die gesamten Tagebücher werden mehrere Bände füllen; nach dem, was dieser Schlußband davon zeigt, wird man sie eines Tages vielleicht, wie bei Hebbel, den ausgearbeiteten Werken vorziehen, nicht weil die täglichen Aufzeichnungen oft unmittelbar in dichterische Arbeit übergehen, sondern weil Kafka darin das ihm gemäßeste Material gestaltet, sich selbst „Das Judentum bringt seit jeher seine Leiden und Freuden fast gleichzeitig mit dem zugehörigen Raschi-Kommentar hervor", — damit bezeichnet er auch seine Eigenart, der Gestalten und Reflektieren nicht unvereinbare Gegensätze, sondern fast siamesische Zwillinge sind. Sein Genius trug eine weiße und eine dunkle Schwinge. Der Franz Kafka der frühen Tagebücher hat ein Examen bestanden und ist nicht untüchtig in seiner 355