Der Morgen
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- Der Morgen
- Volume
- 13 (1937-1938)
- Issue
- Heft 7 (Oktober 1937)
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- Date
- 1937-10-01
- Page
- 309 (sequence 2)
- Language
- German
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und reibungslos funktioniert, ist der modernen Menschheit eingeboren. Diese Haltung selbst bestürzt uns weniger als die sachliche Offenheit, mit der sie sich hier äußert, in einem Bereich, wo man sie mit viel Gefühl zu verdecken pflegt. Der Leichenwagen mit Patent- Schmier-Achsen ist die erste Stufe in der Rationalisierung der Bestattung, des „Bestattungswesens", wie der technische Ausdruck lautet, dessen letzte Stufe Leichen-Auto und Krematorium sind. Wenn eine jüdische Gemeinde zufällig noch einen Pferde-Wagen braucht, wird sie ihn kaufen, ob mit oder ohne Patent-Achsen, schon um jener Gemeinde bei der Liquidation behilflich zu sein. Diejenigen Gemeinden aber, die heute noch solchen Bedarf haben, die Groß-Gemeinden nämlich, schaffen selbstverständlich nur Autos an — mit Zentralschmierung, wie sich von selbst versteht! Es ist vielleicht gar nicht zu vermeiden, daß diese Entwicklung auch vor den Grundursachen des Lebens nicht halt macht Längst schon kann in den großen Gemeinden nicht, wie in den kleinen, jedermann an einem Begräbnis teilnehmen, und mit wachsenden Entfernungen würde altmodische Pietät — zu teuer. Aber etwas mehr Würde und Geschmack kostet nichts; auch nicht in Zeitungsanzeigen, h. 1. Umworbene Juden Zu dem Buch „Juifs et Chretiens" von J. Bonsiruen; Verlag Flammarion, Paris 1937 Wohl gibt es in Frankreich selbst und über dessen Grenzen hinaus Viele, die in den imponierenden Erfolgen der französischen Juden in Politik, Wirtschaft, Literatur, Kunst und Wissenschaft einen untrüglichen Beweis dafür erkennen wollen, daß es heute in Frankreich keine Judenfrage gebe. Allein die Tatsache, daß in den letztem Monaten Dutzende, wenn nicht (mit den vielen Broschüren) Hunderte von Neuerscheinungen des französischen Büchermarkts die Judenfrage behandeln und daß die Voranzeigen schon in den Titeln' auf dasselbe Thema hinweisen, kennzeichnet die Lage. Dabei braucht man keineswegs die eindeutig antisemitische Literatur als bezeichnend zu werten. Ungleich aufschlußreicher sind die zumeist recht gründlichen! „philosemitischen" Bücher von französischen Gelehrten, Politikern, von Schriftstellern mannigfacher Art und Potenz. Von allen Seiten kommen Warnungen, Beschwörungen, Rezepte. Gemeinsam ist ihnen eine gewisse Eindringlichkeit, eine Forciertheit, als wollten sie sagen: Juden, besinnt euch, es ist höchste Zeit! Das sind in der Tat Signale, die auch außerhalb Frankreichs nicht übersehen werden dürfen. Es gibt eine Judenfrage auch in Frankreich, und sie ist von hoher Aktualität Zwei „Bestsellers" innerhalb dieser Literatur haben in kurzer Zeit Auflagen erreicht, über deren Höhe selbst die routiniertesten Pariser Verleger staunen: „Les Juifs en France", das Buch eines ungenann- 309