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Der Morgen · 1937-10-01 · Heft 7 (Oktober 1937) · p. 282

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Journal
Der Morgen
Volume
13 (1937-1938)
Issue
Heft 7 (Oktober 1937)
Article
Zum Glaubensproblem in der Gegenwart
Date
1937-10-01
Page
282 (sequence 1)
Language
German
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Berthold Weinberg: Zum Glaubensproblem in der Gegenwart Rückkehr zum Judentum lautet seit 1933 die Parole, die die Zeitungen und Versammlungssäle beherrscht. Und heute sind wir soweit, festzustellen, es habe sich wenig geändert, die große seelische Umwälzung sei nach anfänglicher Aufbruchstimmung ausgeblieben. Anklagen und Aufrufe verschlagen nichts. Durchgesetzt bat sich nur die Erkenntnis von der Ungesichertheit des jüdischen Lebens in allen Ländern und zu allen Zeiten, Aber ein machtvoller, zusammenreißender Wille zur Lösung ist in den Massen nicht erstanden. Der nationale Aufbruch scheitert daran, daß Palästina objektiv und im Bewußtsein der Masse ein von England abhängiges Gemeinwesen mit sehr begrenzten Möglichkeiten ist. Die Erkenntnis von der Ungesichertheit des jüdischen Lebens ist auch nicht ins wirklich Religiöse umgeschlagen, in die Rückkehr zu einer echten, demütigen Gottesgläubigkeit und Gottesgewißheit. Dabei bestehen hier logisch-strukturell und auch geschichtlich-psychologisch enge Zusammenhänge. Denn gerade die Erkenntnis vom Unsicheren und Fragwürdigen der jüdischen Existenz, verbunden mit dem Zweifel an einer Lösung, könnte als stärkendes und überzeugendes Gegenbild die fdee erscheinen lassen, daß Gott in wunderbarer Fügung das Judentum durch alles Leid hindurch erhalten hat und es weiter erhalten wird, wenn es sich nur gläubig seiner Lenkung anvertraut. Gleichwohl bleibt die von Schoeps in seinem im „Morgen" (Juniheft 1937) veröffentlichten Aufsatz „Zur jüdisch-religiösen Gegenwartssituation" getroffene Feststellung, ein religiöser Umbruch sei nicht eingetreten, richtig. Hiervon wird indessen, wie nachdrücklich betont sei, die Hinwendung zum Judentum, die sich heute insbesondere in der Jugend vollzieht, nicht betroffen. Es gehört seit langem zum eisernen Bestand unbefangener Erkenntnis, daß das Religiöse nicht das Ganze des Judentums ausmacht. Die positiv-jüdische Wendung unserer Tage kommt vermöge der allgemeinen gegenwärtigen geschichtlich bedingten Bewußtseinshaltung weithin aus außerreligiösen Quellen, im Zuge einer ganzheitlichen Auffassung vom Judentum, die jenseits aller religiösen und auch nationalen Verengung ihr geschichtliches Lebensrecht behauptet. Fragen wir indessen, ob die Forderung nach einem religiösen Umbruch der geschichtlichen Situation gemäß ist. Gibt es heute einen Zugang zum Göttlichen? Alles Rufen nach neuer Gläubigkeit sieht zu leicht über das hinweg, was ist, was die seelische 282

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