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Der Morgen · 1937-09-01 · Heft 6 (September 1937) · p. 266

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Journal
Der Morgen
Volume
13 (1937-1938)
Issue
Heft 6 (September 1937)
Article
Erinnerungen an die Orska
Date
1937-09-01
Page
266 (sequence 2)
Language
German
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Aber was zur gleichen Zeit der Massary überzeugend gelang (man erinnert sich ihres Triumphs auf der Sprechbühne), das mißlang der neuen Orska. Wollte das Publikum ihr die Wandlung nicht glauben? Hatten die Jahre der Enttäuschung sie zu tief ausgehöhlt? Sie suchte die Rettung in einem phantastischen Privatleben, im Rausch; und als sie einmal daraus erwachte, tötete sie sich. Man ahnte, daß es so kommen müsse, daß dies das Ende ihrer Flucht aus den Kulissen ins Leben sein würde. In ihrer privaten Scheinwelt versuchte sie alles das zu erleben, .was das Mädchen in ihr sich erträumte. Es war ein ganz seltener Fall: daß das Streben in ein zweites Sein (der Ursprung und Motor aller Schauspielkunst) nur scheinbar auf der Bühne, in Wahrheit jedoch in der Wirklichkeit sich erfüllte. Auf dem Theater war die Orska eine Attraktion. Die größere Schauspielerin war sie in ihrem privaten Erlebnis. Hier, diesseits vom Proscenium, war sie nicht die aparte Palästina im Ria Slekow, „Flam Verlag W. P. van Stockum Es gibt nichts in dem vorliegenden Buch, das eine ausführliche Besprechung rechtfertigen würde. Die Verfasserin — eine nichtjüdische junge Dame — ist aus persönlichen Gründen nach Palästina gereist, und zwar auf illegalem Wege über Syrien. - Dabei will sie eine Reihe aufregender Dinge erlebt haben, die ausführlich geschildert werden. In Jerusalem gerät sie schließlich in die Hände von Arabern, die sie zu Spionagezwecken benutzen wollen; Daisy noch die mondäne Maria der berliner Bühne, sondern das kleine Fräulein Blindermann aus Odessa. Das Märchen vom armen Mädel und dem Prinzen war ihr Lieblingsstück. Eine Perlenkette des Großfürsten Nikolai Nikolajewitsch trug und zeigte sie wie einen Millionenwert; aber sie hatte sich den Plunder selbst gekauft. Auch der russische Anarchist, der ihr nach dem Leben trachtete, weil sie, das Großfürstenliebchen, hinter seidenen Schlafzimmergardinen die hohe Politik gängelte, war in diesem geträumten Liebesdrama eine erfundene Episode. Und der eifersüchtige Rumäne, der seinerseits den Großfürsten umbringen wollte, existierte nur als Charakterrolle in ihrer Phantasie. Alles in allem: der dramatisierte Traum eines Backfischs mit sämtlichen Variationen. Als das liebebedürftige Mädchen so nicht mehr träumen konnte, auch mit Hilfe des Rauschgifts nicht mehr, da ging die Orska hin und machte Schluß. —ro Vorbeigehen men in Palästina". £ Zoon, Den Haag 1936. allerdings wird nicht klar gesagt, was eigentlich sie bei den Juden hätte ausspionieren sollen. (Eine nebelhafte Andeutung über die Beibringung von Nachrichtenmaterial über die Revisionisten dürfte kaum zu verwerten sein.) Übrig bleibt also eine Schilderung einer Reise mit privaten Erlebnissen, die uns aber keineswegs so wichtig erscheinen, daß sie hätten in Druck gegeben werden müssen. Gerhardt Neumann 266

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