Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 13 (1937-1938)
- Issue
- Heft 6 (September 1937)
- Article
- Ueber Schrift und Buch
- Date
- 1937-09-01
- Page
- 256 (sequence 3)
- Language
- German
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Waller Laaser aber zu ihrer Arbeit eine fließendere, schnellere Schrift. Sie lösten die mehrlinigen Zeichen der Quadratschrift in schreibflüssigere Formen auf, und es entstand die haikursive rabbinische Schrift, als deren gebräuchlichste Form heute noch die sogenannte Raschischrift bekannt ist. Neben diesen halbkursiven Schriften entstand eine vollkursive Schrift, d. h. eine Schrift, bei der die Buchstaben miteinander verbunden werden, so daß schnelles und flüssiges Schreiben möglich ist. Eine solche Kursivschrift für den privaten Gebrauch war bereits in Babylon um 700 n. Chr. bekannt, und ihre Entwicklung kann aus dem Orient über Spanien, Italien und Deutschland bis zur heutigen jüdischen Schreibschrift verfolgt werden. Alle europäischen Alphabete stammen von dem sogenannten ursemitischen Alphabet ab. Die Griechen haben das phönizische Alphabet übernommen und zur griechischen Schrift entwickelt, deren Erfinder nach der griechischen Tradition der Phönizier Kadmos war. Von Griechenland kam die Schrift über die altitalienischen Völker nach Rom und von dort zu allen neueren Kulturvölkern. Wenn man also auch bereits zu Moses Zeiten schreiben konnte, so war die Abfassung eines Schriftstückes damals wesentlich schwieriger als heutzutage. In der ältesten Zeit war noch nicht einmal Pergament, Leder oder Ton als Schreibmaterial vorhanden. Der Schreiber mußte sich geeignete Steine zusammensuchen, sie behauen und konnte dann erst daran gehen, die Buchstaben mit einem eisernen Griffel in die zugehauene Steinplatte einzukratzen. Später wurde die Platte mit Kalk überzogen, wodurch das Einkratzen der Schrift erleichtert wurde. Schreiben war damals also eine schwere, einen ganzen Mann ausfüllende Arbeit, bei der auch ein Athlet in den Schweiß der Anstrengung geraten konnte. Im späteren Altertum wurden Papyrus und Tierfell als Schreibmaterialien verwandt. Gegen Papyrus hatten die Juden aber eine starke Abneigung, wohl weil es eine ägyptische Erfindung war. Jedenfalls durften die heiligen Schriften nur auf präparierter Tierhaut geschrieben werden. In der ältesten Zeit wurde das ganze ungespaltene Fell gegerbt, durch Schaben geglättet und als Schreibleder verwandt. Um die Zeit, als man mit der Niederschrift der mündlichen Tradition begann, war bereits richtiges Pergament bekannt. Es wurde durch kunstgerechtes Spalten der Haut hergestellt. Die Herstellung des Pergamentes erfolgte durch die Schreiber selber. Die zurechtgeschnittenen Blätter wurden einzeln einseitig beschrieben und dann mit Sehnen fortlaufend aneinandergenäht. Das fertige Buch bildete einen Streifen, der um zwei Stäbe, die am Anfang und Ende befestigt waren, zusammengerollt und 256