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Der Morgen · 1937-07-01 · Heft 4 (Juli 1937) · p. 147

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
13 (1937-1938)
Issue
Heft 4 (Juli 1937)
Article
Dialogische Geschichte
Date
1937-07-01
Page
147 (sequence 6)
Language
German
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Dialogische Geschickte tief in der griechischen Philosophie. Auch er war ein Schüler griechischer Philosophen. Auch er konstruierte viel fremdes Gedankengut in das Judentum hinein. Nur war sein Standort von dem Philos grundverschieden. Er befand sich innerhalb der jüdischen Mauern und empfand nicht das Bedürfnis, das Judentum salonfähig zu machen, bevor er es dem Partner entgegenstellte. Für ihn verkörperte das Judentum das höchste Vernunftsystem, und alles Geniale und Erhabene der griechischen Philosophie fand er im Judentum längst verankert. In der Begegnung zwischen Judentum und arabisch-griechischer Philosophie im Mittelalter haben beide Welten ungeheuer viel gewonnen. Keine ging unter, beide blieben Sieger. -Es war eine Sternstunde der europäischen Geisteswelt. Achad Haam hat einmal in einem Aufsatz „Ben Kodesch Lechol" (Heiliges und Profanes) diesen Unterschied zwischen Maimonides und Philo — in einem anderen Zusammenhang und ohne Bezugnahme auf unsere Problematik — sehr fein herausgearbeitet. Es ist ein Unterschied — meint Achad Haam —, ob jemand in ein Weinfaß fremden Wein hineingießt, die Reifen des Fasses aber ganz läßt, so daß die Geschlossenheit des Rahmens gewahrt und die Erhaltung gewährleistet wird, oder ob jemand die Reifen des Fasses sprengt, weil sie zu eng sind, und den Wein so aufbewahren möchte. In diesem Achad Haam'schen Gedankengang ist alles enthalten, was zum Unterschied zwischen Philo und Maimonides zu sagen ist. Und auch das jüdische Volk hat ihn richtig verstanden. Maimonides, der Aristoteles-Schüler, ist bis auf den heutigen Tag, sogar auf dem Gebiete der Halacha, die große jüdische Autorität geblieben. Philo, der Piatonschüler, ist fast vergessen worden, und wir wüßten nicht viel über ihn auszusagen, hätte ihn uns die Kirche nicht gerettet. Der aristotelische Inhalt Maimonides' ging in der Erbmasse des jüdischen Wesens auf. Philo aber sprengte den Rahmen, und also zerrann der Wein. Deshalb ist allein der maimonidische Dialog das klassische Beispiel eines Gespräches, wie es Völker führen können, ohne Furcht vor einem Schaden am eigenen Wesen. In diese Reihe von Gesprächen zwischen Gruppe und Gruppe gehört auch die Begegnung des Judentums mit Europa. Hier zeigt sich allerdings etwas Eigenartiges: Innerhalb dieses Gesprächs sind beide Arten von Begegnungen enthalten, die Philonische und die Maimonidische. Die verschiedenen Generationen haben das Gespräch verschieden geführt, und also auch abweichende Resultate erzielt. Die geschichtlichen Tatsachen sind bekannt, und es sei aus ihnen nur das Folgende hervorgehoben: Das Judentum lebt seit Jahrhunderten auf europäischem Boden. In der neueren Zeit, in der von einem Gespräch allein die Rede sein kann, war dessen Wortführer vorwiegend das Judentum in 147

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