Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 13 (1937-1938)
- Issue
- Heft 4 (Juli 1937)
- Article
- Weltausstellung 1937
- Date
- 1937-07-01
- Page
- 142 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Max Nußbaum den realistischen Hintergrund der Emek-Landschaft, belegt die Metarmorphose der Düne in die Großstadt, der Einöde in Wald, des Sumpflandes in Ackerboden mit Bildern und bemerkt schüchtern in einer kleinen Statistik, daß es auch den Arabern seit der jüdischen Masseneinwanderung besser geht, und mit großen Tafeln, was man seit 1933 für die Einwanderer aus Deutschland getan. In einem Zwischenhof, der weiß und niedrig, mit vergitterten Fenstern die entfernte Ahnung palästinensischen Baustils wachruft, steht ein Panorama der Stadt Tel-Aviv mit dem blauen Meer davor. Auf den Bänken in der Mitte sitzen den ganzen Tag Menschen, Juden von überallher, und sehen stumm, gedankenvoll, träumend auf die nahe und doch so ferne Stadt hinüber. . Dem Ausgang der Ausstellung neigt sich der Pavillon des Friedens zu. Die Mittelsäule ragt schon in den Himmel hinein, ein Zylinder aus grünblau patinierter Bronze, Lorbeergewinde darstellend, die das Wort in allen Weltsprachen tragen. Nur die beiden halbrunden Nischen, in denen dem himmlischen Wesen die irdische Stätte ersteht, sind noch nicht fertig. Man arbeitet noch daran. H.B. Max Nußbaum: Dialogische Geschichte Man hat von jeher versucht, jüdische Geschichte unter den verschiedenartigsten Perspektiven zu sehen und zu deuten. Von der alten Geschichtstheologie angefangen über Graetz, Dubnow und Kastein gab es immer andere, immer neue Aspekte. Es gab die theologische Deutung der Alten, die national-historische bei Graetz, die territorialistisch-autonomistische bei Dubnow, die national-spiritualistische bei Kastein usf. Keine dieser Perspektiven ist allgemein gültig, weil sich jüdische Geschichte überhaupt nicht auf eine allgemeine kategorische Formel bringen läßt. Aber als Betrachtungsweise hat jede dieser Theorien ihre Bedeutung, und jede trägt zum Verständnis der historischen Entwicklung unseres Judentums bei. Es sei darum in diesem kurzen Abriß auf einen weiteren Geschichtsaspekt hingewiesen, der seine Fruchtbarkeit noch zu erweisen hat. Auch er besitzt keineswegs eine abschließende Gültigkeit. Aber als Perspektive dürfte er interessieren und vielleicht auf viele komplizierte Fragen unserer jüdischen Gegenwart eine Antwort geben. Besonders auf die komplizierteste, nämlich die unseres Verhältnisses zur Umwelt. Der Aspekt geht von der in der modernen Volkspsychologie untersuchten Tatsache der Existenz einer Volksseele aus. Man spricht in der Tradition des alten Judentums von einem sar- 142