Mannheim
Compact Memory

Der Morgen · 1937-06-01 · Heft 3 (Juni 1937) · p. 129

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
13 (1937-1938)
Issue
Heft 3 (Juni 1937)
Article
Lossage vom Orient [Rezension]
Date
1937-06-01
Page
129 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
90% known words query
IRI
…/2895450-2895566-2895570-2907252--09843-2907313
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

der Weltangst verankerten Vorstellungen befreien und die Grundlagen der Entwicklung der Kultur nicht mehr in Abhängigkeit vom eurasischen Mittelmeerkreis betrachten. Europas Geist ist eigenartig und eigengeschichtlich. Von ihm aus müssen also sein Gestalten begriffen werden, nicht vom Morgenland her." Während der Bolschewismus sonst als Oberspannung des rationalistischtechnischen, also betont abendländischen Denkens gefaßt und ihm — mit Recht — die Entgöttlichung der Welt vorgeworfen wird, erscheint er hier als entgegengesetztes Prinzip der Orientalisierung. Ohne auf die historische Richtigkeit oder politische Wünschbarkeit dieser Auffassung einzugehen, derzufolge z. B. Dostojewski als Führer zu bolschewistischem Denken erscheinen müßte, wollen wir sie nur als symptomatische Denktendenz mitteilen. F. F. Stefan George und seine judischen Schuler Zu: Albert Verwey, Mein Verhältnis zu Stefan George. Erinnerungen aus den Jahren 1895—1928. Leipzig 1936. Das merkwürdige Doppelbild von Toorop aus dem Jahr 1901, das die Titelseite dieses Buches ziert, zeigt den kräftig-männlichen Kopf des holländischen Dichters — fast anzusehen wie einen ehrlichen Handwerksmeister aus der Zeit des Peter Vischer — und den schmalen Asketenkopf des jünglinghaften Stefan George nebeneinander. Nicht anders erscheint das Bild der beiden Männer in diesen Erinnerungen, die sich mit dem nun schon über drei Jahre zur Ruhe gegangenen Stefan George auseinandersetzen, als lebte er noch. Wirklich wurde das Buch noch zu Lebzeiten Georges geschrieben; erst die Vorrede entstand am Tage seiner Beerdigung. Auch dies erschien dem Schreiber symbolisch. Denn diese Begegnung zweier Dichter bedeutete für beide mehr als eine historisch zu fassende Phase in beider Leben: es war die „Begegnung zweier Ideen, die nie ohne einander sein werden". Und wenn die Ideen sich am weitesten voneinander entfernten, so bleib doch Das Mcdheft enthielt u. <xt Vollendete Talsachen / Arthur Prinz, Jüdische Wanderungspolitik | Kurt Stillschweig. Eniwicklungslinien des Nationalismus / Erich Rosenihal, Moses Heß — ein Denker der Krise J Leo Hirsch, Von den ersten Operetten I Gina Gärtier, Umweg über die Brücke. Im Juliheft schreiben u. a. Hans Bach, Weltausstellung 1937 / Max Nußbaum, Dialogische Geschichte / Walier Laaser, Das Bad. 129

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.