Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 13 (1937-1938)
- Issue
- Heft 3 (Juni 1937)
- Article
- Zwei Pslamen
- Date
- 1937-06-01
- Page
- 118 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Edith L. Meyer: Zwei Psalmetl I. Dein ist die Erde, Herr, ist Meer und Land und alles Ding, das deine Hände schufen. Dein ist der Tag in seinem Lichtgewand und dein die Nacht, die du herbeigerufen. Dein sind die Berge, die zum Himmelsrand wie Türme streben, deren erzne Stufen hinauf zu deinem Heiligtume führen. Und jeder Hauch, den wir im All verspüren, er kommt von dir, ist unverbrüchlich dein. Wie sollten wir nicht reinen Herzens sein, da unsre Wege ständig sich berühren? Gib, Herr, daß wir noch tiefer dir begegnen. Steig nieder, zieh in unsre Tore ein! Laß deine Gnade und dein reiches Segnen gelind wie Tau auf unsre Herzen regnen. Von deiner Glorie Flammenkranz umloht, zieh ein in Freuden, König Zebaot! M. Y. ben Gavriel: Palästina für empfindsame Reisende Jerusalem Steinstadt in Feierlichkeit erstarrter Ehrwürde im Herzen der Welt. Selbst die bunten Flicken einstiger Kleidung an den Bettlerkörpern sind feierlicher als Kleider pensionierter Könige. Bergauf und talab gehen die Straßen; im Schuk ist der Lärm feierlicher als in andern Bazaren des Ostens, und in den weißen Vollmondnächten schmiegt sich einzigartig die beinweiße Feierlichkeit dieser Stadt wie ein müdegeschlafenes Kind in die Flanken des Ölbergs, der wie ein Löwe über der Stadt Wache hält. Mondlicht liegt auf dem Mosaik des Tempelplatzes ausgegossen, auf den Kuppeldächern, auf der verhungerten Palme beim Hospiz der scherenschleifenden Turkestanen, fließt den jüdischen Markt hinaus zum Konvent der Armenier und liegt wie ein mütterlichgütiges Lächeln auf dem unermeßlichen Gräberfeld, das hunderte Generationen vom Tal Josafat die Lehne des Ölbergs hinanbauten. 118