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Der Morgen · 1937-05-01 · Heft 2 (Mai 1937) · p. 67

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
13 (1937-1938)
Issue
Heft 2 (Mai 1937)
Article
Ekstatischer Augenblick
Date
1937-05-01
Page
67 (sequence 2)
Language
German
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Gina Gärtier: Umweg über die Brücke Wir sind so gleich vor Deiner weiten Liebe, Du unbegreiflich Teilnahmsloser, Du, wir streiten uns um Deine Meißelhiebe — Du weißt es, Gott, und siehst uns schweigend zu. Herr, mach mich schweigen, wenn die Ungenüge und Ungeduld der Klage aus mir spricht. Zerbrich in meinem Mund den Laut der Lüge und blende mich mit Deinem Angesicht. Erhöre nicht mich, wenn die Angst der Tage mich überschwemmt und überschwillt im Schrei. Beschwere beide Schalen meiner Waage, daß nicht der Zweifel ihre Zunge sei. Erst wenn ich stumm die schwankenden Gewichte von Deiner Allgestalt ertrage, dann gib mir das Wort, darin ich Dich verdichte, daß ich Dich durch Dein Wort gestalten kann. Gina Gärtier: Umweg über die Brücke Unter einem sanften Brüllen verschwand der letzte Autobus um die Biegung, aufdröhnend nun an der steigenden Straße, dann verklingend. Ein gleichmütiges Summen, Hummelgemurr über Ginster am Spätnachmittag vergleichbar, erfüllte den kleinen viereckigen Rathausplatz noch ein letztes Mal mit Geräusch von dem spitzigen Turm bis zum schwach erleuchteten Cafehausfenster. Mondfarbene Dämmerung warf lange Schatten hinter Pfähle und Marktbrunnen, und gewisseres Licht ging einzig von jenem erleuchteten Fenster aus, neben welchem Bettina ihr Fahrrad aufgestellt hatte. Während sie ihr Schloß losmachte, äußerte sie sich zu Eli, der in einer dunkleren Ecke das seine zu öffnen sich mühte, über ihre späte Begegnung: „Wirklich, wir können von Glück sagen, daß unsere Besucher die Freundlichkeit gehabt haben, zugleich abzufahren; der Weg zu unserer ,Heimstätte4 ist ein wenig ängstlich für ein schwaches Mädchen." Sie erinnerte ihn spöttisch an die Biegung der Landstraße, zehn Minuten noch vom einsam gelegenen Gut entfernt, wo der Wald über den Abhang herabzüngle bis zu den runden Meilensteinen; und daß sie von dort ab mit gewissen Furchtgefühlen sich schneller bewege, bis endlich der vertraute Kuhglockenklang 67

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