Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 13 (1937-1938)
- Issue
- Heft 1 (April 1937)
- Article
- Es geschah um Mitternacht ...
- Date
- 1937-04-01
- Page
- 19 (sequence 2)
- Language
- German
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Gottesdienstgestaltung in Erez Israel Löst7 das Geheimnis am Gesicht der Nacht, In einer Mitternacht. Machttrunkener Tempelschänder4) fiel zur Nacht; Noch scheut der Leu, wen nimmer schreckt die Nacht5). Ohnmächtigen Haß schreibt Haman auf zur Nacht — Auch dies um Mitternacht. Persischen König6) flieht der Schlaf zur Nacht. Ruft Edom: Hüter, endet bald die Nacht? Spricht der: Auch wenn der Morgen naht, bleibts Nacht!7) Ja, in der Mitternacht! Tag des Messias, weder Tag noch Nacht! Uns, Herr, tu kund, daß dein sind Tag und Nacht! Wach' ob Jerusalems bei Tag und Nacht! Zur Tageshelle wandle um die Nacht! . . . Damals wars Mitternacht. J a n n a i (deutsch von Emanuel bin Gorion) 3)Satiherib. *) Belsazer. 5) Daniel. «) Ahasveros. 7) Vgl. Jesaja21,11—12. Gottesdienstgestaltung in Erez Israel Ein Briefwechsel Haifa, 16. März 1937. Sehr geehrter Herr Kollege Dienemann, In den Gesprächen, die Sie mit mir hier über die Fragen des religiösen Aufbaus geführt haben, wie auch in den Briefen, die Sie mir über denselben Gegenstand geschrieben haben, kommen Sie immer wieder auf ein Thema zurück: auf das Problem des Gebetes in einem für moderne Menschen bestimmten Gottesdienst. Bei all Ihrem Verständnis für die Notwendigkeit traditioneller Formen im Gottesdienst verstehen Sie nicht, wie wir in unserer Synagoge hier zum Beispiel die Gebete um Einführung des Opferdienstes weiterhin sagen. Das scheint Ihnen eine Verletzung der Wahrheit zu sein, denn der Mensch unserer Zeit, so meinen Sie, könne einen solchen Wunsch, und gar noch in der Form eines Gebets, nicht aus innerer Überzeugung aussprechen. Einwände, die von Ihnen kommen, veranlassen mich stets zu besonderem Nachdenken. Sie haben für das, was wir in Abwendung vom religiösen Liberalismus des Westens hier gestalten, so viel Verständnis gezeigt und bei andern erweckt, daß Ihre Meinung auch da, wo sie von der unsern abweicht, eine beson- 19