Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 12 (1936-1937)
- Issue
- Heft 12 (März 1937)
- Article
- [Rezension] / Hahn, Hugo
- Date
- 1937-03-01
- Page
- 576 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- spine
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Solomon Ludwig Steinheim, Vom Bleibenden und Vergänglichen im Judentum, Vortrupp-Verlag, Berlin 1935 Den ersten Band seiner „Geschichte der jüdischen Religionsphilosophie in der Neuzeit*' hat Schoeps mit dem Versprechen geschlossen, den noch ausstehenden zweiten Band dem Werke S. L. Stein heims widmen zu wollen, mit dem nach seiner Meinung eine echte offenbarungsbejahende Religionsphilosophie des neuzeitlichen Judentums beginne. Bis heute konnte dieser Plan nicht verwirklicht werden. Um das so entstandene Vakuum auszufüllen, hat Schoeps sich entschlossen, eine Auswahl aus dem reichen Schrifttum Steinheims in Form einer Broschüre herauszugeben. Liest man den Aufsatz, der gleichzeitig als Titel des Buches gewählt worden ist: „Vom Bleibenden und Vergänglichen im Judentum", so ist man in der Tat frappiert über Steinheims klare Erkenntnis, daß die jüdische Religion nur auf einem Offenbarungsmonotheismus, niemals aber auf einem noch so gut fundierten Begriffsmonotheismus basieren kann. Überraschend wirkt die Heftigkeit, mit der dieser weitschichtig gebildete Jude 50 Jahre nach dem Tode Moses Mendelssohns diesen für die Emanzipation der Juden in Deutschland so ausschlaggebenden Geist aus offenbarungsgläubiger Haltung heraus bekämpft und aus wohlerwogenen Gründen seines philosophischen Glorienscheines beraubt. Steinheim ist ohne Zweifel der Tieferblickende, der unserer nach Wiedererweckung jüdischer Religion sehnsüchtigen Zeit im Grunde mehr zu sagen hat als der Philosoph des rationalistischen Aufklärungszeitalters. Er hat das Problem der Abgrenzung zwischen Offenbarungslehre und Vernunftphilosophie sehr genau erkannt und in seinem Artikel „Wahre und falsche Gefangennehmung der Vernunft unter dem Glauben" klar umrissen. Trotzdem ist sehr zu bezweifeln, ob Steinheim, wie Schoeps es prophezeit, der Wegführer unserer Zeit zu einer Neuerfassung der jüdischen Religion werden kann. Dazu ist er, in seiner Gedankenführung wie in seiner Sprache, doch zu sehr ein Kind seiner Zeit. Alle Erkenntnisse soziologischer und historischer Zusammenhänge, die für die Judentumsauffassung unserer Tage charakteristisch sind, liegen ihm durchaus fern. Seine Studie „Die Religion als volksbildendes Element" kann den Anforderungen, die wir heute an die Gestaltung eines solchen Themas stellen, nicht genügen. Hier ist Steinheim bei aller sonstigen Gegnerschaft viel mehr Partner des mendelssohnschen Geistes, als er wohl selbst gesehen und zugegeben hätte. H. J. Schoeps, der die Auswahl mit einer Einleitung über die Grunddaten von Steinheims Leben und mit einem Verzeichnis der Schriften seines Lieblingsphilosophen versehen hat, bleibt es überlassen, seine Prophezeiung, daß uns in Steinheim der religiöse Retter unserer Zeit erstanden sei, durch die baldige Herausgabe seines zweiten Bandes seiner „Geschichte der jüdischen Religionsphilosophie in der Neuzeit" zu erhärten. Hugo Hahn. 576