Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 12 (1936-1937)
- Issue
- Heft 12 (März 1937)
- Article
- Ein Symposium der Forschung [Rezension]
- Date
- 1937-03-01
- Page
- 570 (sequence 3)
- Language
- German
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keinem andern als — Giotto illustriert worden sein soll. Das „Giotto-Manuskript" wurde 1899 von einem Fürsten von Rivoli gekauft, der „zu reich war, um ein Hebraist zu sein". Doch Adler schöpfte daraus (wenn die Illusionen des Büchersammlers ihn nicht trügen!) einen Eindruck, der ebenso wichtig ist Zur Soziologie des Die Bibelwissenschaft der letzten Jahrzehnte versuchte mit allen Mitteln, sich des Textes und der in ihm ausgesagten Tatsachen und Erscheinungen zu bemächtigen; Gelehrte aus vielen Lagern konnten hierzu beitragen. Reiches Material aus Ausgrabungen und alten Funden haben manche Unklarheit verdeutlicht, neue sich über die gesamte Wissenschaft erstreckende Methoden wiesen auf bisher unbetretene Bahnen. Neu ist der heutigen Wissenschaft die soziologische Betrachtungsweise; aber sie fand schnell Einlaß in Geschichte und Literaturgeschichte, in Altertumskunde und Religionswissenschaft. Auch die Bibel wird nun mit Hilfe der Soziologie zergliedert, und manch überraschendes Resultat ergibt sich. Max Weber hat im 3. Bande seiner „Gesammelten Aufsätze zur Religionssoziologie" einen ausgezeichneten Überblick über das biblische Judentum geboten. Viele ergänzende und berichtigende Einzelstudien folgten, und eine solche legt Alfred J e p s e n in einem umfangreichen Bande vor*). — *) Alfred Jepsen: Nabi. Soziologische Studien zur alttestamentlichen Literatur- und Religionsgeschichte. München 1934. wie ein Bild, sei es selbst von Giotto gemalt: „der Kardinal, der dem größten Künstler seiner Zeit aufträgt, ein jüdisches Andachtsbuch zu illustrieren.Diese Einung durch den Geist bezeichnet auch den „Gottesstaat" der Forscher, der in diesem Buche verwirklicht ist. — ss. biblischen Judentums Jepsen bietet zu Beginn seines im Januar 1934 beendeten Buches ein reichhaltiges Literaturverzeichnis; auch die Neuerscheinungen der letzten Jahre hat er benutzt. Aber er übergeht offensichtlich ein grundlegendes jüdisches Werk, dessen Benutzung ihn sicher vieles hätte anders sehen lassen. Es ist Martin Bubers „Königtum Gottes", das nun schon in 2. Auflage vorliegt. Bubers Ergebnisse sind für die Bibelwissenschaft und besonders für uns Juden von hervorragender Bedeutung, und ein Übergehen dieser Forschungen macht unnötige Mühe und kann oftmals — wie sich auch bei Jepsen an einigen Stellen zeigt — zu irrigen Ergebnissen führen. Doch nun zu dem Werk selbst. Jepsen untersucht eingehend die einzelnen Stellen, an denen das Wort Nabi (= „Prophet") und verwandte Begriffe vorkommen, um dann ein historisches Gesamtbild vom Nabitum und seiner Entwicklung zu geben. Ein eigener Nabistand wird angenommen, aber hier scheidet Jepsen streng zwischen den „Nebiim" und den wahren Propheten (die ja doch in der Bibel auch als Nebüm auftreten I); nur über die ersten spricht er. Die Israeliten kommen in das soziale 570