Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 12 (1936-1937)
- Issue
- Heft 12 (März 1937)
- Article
- Siebzig Sprüche
- Date
- 1937-03-01
- Page
- 552 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Martin Buber An den Herrscher Öffne deinen Mund für den Stummen, um die Sache aller Kinder der Wandelbarkeit! öffne deinen Mund, richte wahrhaft, Sachwalter sei des Gebeugten und des Bedürftigen! „Uebers Niederträchtige" Zeitkritik (3 Ein Geschlecht, das flucht seinem Vater und segnet seine Mutter nicht! Ein Geschlecht, rein in den eigenen Augen, und ist doch von seinem Kot nicht gewaschen! Ein Geschlecht — wie überheben sich seine Augen und seine Wimpern sind hochgetragen! Ein Geschlecht — Schwerter sind seine Zähne, Messer seine Gebisse, die Gebeugten wegzufressen von der Erde, die Bedürftigen von der Menschheit! Zwei Töchter hat der Vampir — — „Hol herbei!" — ,.Hol herbei!" Physiognomik Blinzt einer ^seine Augen zu, ists, Verdrehungen zu planen, kneift einer seine Lippen ein, hat er das Arge vollzogen. Die Bösen und die Gerechtigkeit Die Leute arger Art verstehn die Gerechtigkeit nicht, aber die IHN suchen verstehen alles. Zweierlei Ordnung Wo die Bewährten triumphieren, ist das Gepränge groß, wo die Frevler antreten, muß ein Mensch aufgespürt werden. Hoffart und Demut Voran dem Zusammenbruch kommt die Hoffart, voran dem Straucheln kommt der Übermut des Geistes. Besser am Geist geniedert mit den Gebeugten, als Baub teilen mit den Hoffärtigen. ♦ Überhebliche Augen, ein Herz das sich breitmacht, — was so die Frevler erackern, ist die Sündenpem. Gegen das Nacheifern Eifre nimmer den Männern der Arglist nach, gelüste nimmer, es mit ihnen zu halten, denn ihr Herz sinnt Vergewaltigung und ihre Lippen reden Unheil. 552