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Der Morgen · 1937-02-01 · Heft 11 (Februar 1937) · p. 527

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
12 (1936-1937)
Issue
Heft 11 (Februar 1937)
Article
Die Ernte [Rezension]
Date
1937-02-01
Page
527 (sequence 2)
Language
German
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Georg Hirschfeid: „Das Kind unter dem Schwert" abgesehen, enthält das Heft nichts Erzählendes, nichts Novellistisches. Die Prosa ist Essay, Kritik, Betrachtung. Alfred Wolfen stein berichtet über eine „Letzte Begegnung mit Franz Kafka". Das Werk Kafkas, durch manche literarische Analyse eher verdeckt und verschüttet als geebnet, wird durch diese Schilderung der Person des Dichters und der Kräfte, die von ihr ins Werk überströmten, in seiner Rätselhaftigkeit, Besonderheit und zugleich „Vollkommenheit" überraschend deutlich. Bemerkenswerte Formulierungen findet Oskar Baum für das „Wesen der jüdischen Energie"; ihr Geheimnis und ihre Eigenart sieht er in „ununterbrochenem Ringen am Rande tödlicher Gefahr". Ein „Palästina- Buch für empfindsame Reisende" von M. Y. Ben-Gavriel steuert amüsante Proben bei, an weiteren Vorabdrucken enthält das Heft eine Szene aus einem Moses-Mysterium von Ernst Lissauer und einen Abschnitt aus einem noch unvollendeten Versepos von Ludwig Strauß: „Messianische Wanderschaft". Die Lyrik, die das Heft bringt, ist unterschiedlich: manches von letzter Gültigkeit, anderes konventionell; bei allem eine mitunter fast verdächtige Beherrschung des Formalen. Manche der Gedichte eint ein gemeinsamer Grundton schmerzlicher Resignation, — Worte wie Sterben, Tod, Einsamkeit kehren immer wieder. Erschütternd in dieser Reihe — wie letzte gewaltige Lebensbekenntnisse anmutend — die Gedichte Else Lasker-Schülers. Nach Stimmung und Gehalt danebenzustellen sind Verse von Schalom Ben-Chorin, Rudolf Fuchs, M. Y. Ben-Gavriel, Werner Kraft, Friedrich Torberg und Gertrud Urzidil. Gedichte von Adolf Chajes, Hilde Marx und Heinz Politzer ergänzen den lyrischen Teil dieser Anthologie. Ein bewußt jüdisches Element beherrscht zwar die Stoffwahl, doch verrät sich, vor allem im Prosateil, wenig vom Erleben der Gegenwart, und Ansätze zu neuen Formen und zu neuen Inhalten fehlen. Jedenfalls darf das Heft, dessen Beiträge, einzeln genommen, unzweifelhaft von Wert sind, nicht als Ausdruck unserer Zeit, als geistiges und menschliches Bekenntnis lebender jüdischer Autoren gelten. Daß aber mit der „Ernte" überhaupt etwas dazu getan wird, jüdischer Dichtung in deutscher Sprache eine Sammelstätte zu schaffen, soll dankbar anerkannt werden. H. B—n. Viktor Bauer: Volk unterwegs — Staat unterwegs. Nekudah-Verlag, Mukacevo (CSR) 1936. Die Kritik Wohlmeinender und weniger Wohlgesinnter am Zionismus hat sich im Laufe der letzten Jahre vielfach geäußert. Wir alle empfinden, daß die Dinge, so wie sie laufen, nicht stimmen können und daß die sich anbahnende Wiedergeburt unseres Volkes von zahllosen Hemmnissen bedroht ist, die weniger aus der Natur der Sache als aus der Böswilligkeit der menschlichen Natur stammen. Hat ein Kampf gegen die menschliche Kleinheit einen Sinn? Zwar macht es die Erfahrung der letzten Jahrzehnte einem schwer, darauf be- 527

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