Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 12 (1936-1937)
- Issue
- Heft 11 (Februar 1937)
- Article
- Juden aus Simsons Geschlecht [Rezension]
- Date
- 1937-02-01
- Page
- 526 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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schichte des Noah Pandre führt den Westjuden in eine überraschend neue jüdische Welt ein. Diese Menschen, ob sie nun Metzger sind wie Noah, der Held der Erzählung selbst, oder Fuhrleute wie sein Schwiegervater, der ehrliche Sender, oder Briefträger wie der uralte Leiser — sie sind alle „stark wie Eichenwurzeln", stehen fest auf ihren zwei Beinen und nehmen den Kampf mit des Lebens Unbill und mit der Undankbarkeit der Menschen tapfer auf. Noah Pandre, der „verfluchte Kerl", war als Metzgerbursche der Held des Dorfes und der ganzen Gegend, seit er die junge Gutsherrin, deren Pferde scheuten, einmal mit seiner Riesenkraft aus schlimmer Lage befreite. Ihn trifft der geistige Strahl von der schattenhaften, übersinnlichen Gestalt des alten Rabbi und bestimmt ihn, sein rohes Handwerk aufzugeben und Fuhrmann zu werden. Jetzt erst entdeckt er mit allen seinen unverbrauchten Sinnen die Natur um sich herum; entzückend und anschaulich wird dargestellt, wie sich ihm bei jeder neuen Sinneserfahrung, beim Riechen, Sehen, Schmecken gleich die nahen Bilder aus seinen altgewohnten jüdischen Volkssitten einstellen. Jetzt wirbt er um die schlanke Meri, die Fuhrmannstochter, und erringt sie. Aber „das Schlachthaus rächt sich", wie sein Freund, der Metzger Simche, später sagt; aus seiner überströmenden Kraft und dem Willen zur Gerechtigkeit erwächst ihm Unheil über Unheil. Dem übel beleumundeten „Neuen Millionär" rettet er die Kuh aus dem brennenden Stall und empfängt schlimmen Lohn dafür. Er kommt ins Gefängnis, aus der Gemeinschaftszelle in die dunkle Einzelhaft und zur niedrigsten, schmutzigsten Arbeit. Dennoch verliert weder Noah noch sein Dichter den Mut. Tröstlich schließt das Buch mit der Hoffnung auf seine baldige Rückkehr zu seinem jungen Weibe und dem Lächeln seines erst vor wenig Monden geborenen Söhnchens. Gewiß, das Buch verzichtet auf festgefügte Handlung; auch der Konflikt zwischen der Welt der reichen Emporkömmlinge und den Handwerkern ist nur leise angedeutet — vielleicht würden andere Bücher Schneurs ein deutlicheres Bild seiner Gestaltungskraft gegeben haben. Aber wir werden vollauf entschädigt durch die Fülle des Lebens, die aus diesen Seiten quillt und die uns von lebendig strömendem jüdischen Volksleben, wie es uns bisher fast unzugänglich war, frisch erzählt. B. B. St. Die Ernte Unter dem Titel „Die Ernte" gibt Adolf Chajes unter Mitarbeit von Schalom Ben-Chorin im Manfred Rothschild Verlag, Jerusalem, eine kleine Anthologie jüdischer Prosa und Lyrik — oder genauer: Prosa und Lyrik zeitgenössischer jüdischer Autoren — heraus. Die Anthologie als „ein Sammelheft jüdischer Dichtung" zu bezeichnen, wie es im Untertitel geschieht, erscheint nicht ganz berechtigt. Von einem Auszug aus einem neuen biblischen Roman von 526