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Der Morgen · 1937-02-01 · Heft 11 (Februar 1937) · p. 522

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
12 (1936-1937)
Issue
Heft 11 (Februar 1937)
Article
Eine Reise mit Herz [Rezension]
Date
1937-02-01
Page
522 (sequence 2)
Language
German
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wühlten Juden dar. Er macht eine sentimental journey, eine Reise mit Gemüt, doch bleibt er als Schriftsteller imbefangen genug, den Kopf durch das Herz nicht vergewaltigen, den Europäer in sich durch den Juden in sich nicht auslöschen zu lassen: er bringt die zwei Schalen ins Gleichgewicht Die Reise beginnt schon auf dem Schiff; nicht mit Politik, nicht mit Statistiken, nur mit sachlich erzählten menschlichen Schicksalen. Sie führt in weitem Bogen, über Marokko, durch das Mittelmeer. In Casablanca sind drei Freunde aus Deutschland, die die Gräber ihrer im Krieg gefallenen Väter nacheinander besucht haben, und ein Mädchen in der Freudengasse, das sich plötzlich schämt. Dazwischen Erlebnisse, Erinnerungen, Sternennächte. Und dann Palästina (oder ist es doch schon Erez Israel?): ein alter Zionist mit hebraisiertem Namen, lange im Land, der hebräische Volkslieder dichtet und kein Geld für seine Stunden nimmt; der geschäftstüchtige Grundstücksmakler; der Millionär aus Bagdad, der Papier am Strand aufsammelt, und der Chaluz mit zwei Bänden Kierkegaard; der fromme Russe, der mit der Sabbatlampe ein Stück Deckenbalken mitgebracht hat, mit der Puppe eines Zitronenfalters darin; der Rechtsanwalt, dessen Heimat Beethoven heißt; der Amerikaner, der, weil das am ausgefallensten ist, eine neue Kabbalistensynagoge stiftet, und der mäzenatische Täufling vergangener Zeit aus Regensburg; eine Film-Vorstellung mit viersprachigem Text und noch viel mehr Schichten von Moden nebeneinander, und das kleine Mädchen, das, an den Liebsten gelehnt, im Schlaf des alten Erzvaters „Hineni" — Hier bin ich! — wiederholt; die Sehnsucht nach grünen Wiesen und Wäldern und die Übergabe eines Stückchen Landes mit einem in seiner Schlichtheit fast biblischen Pathos. Das Buch ist in Holland gedruckt, und ein paar fremdartige Schreibungen und Druckfehler geben ihm an manchen Stellen eine Art Dialektreiz, der selbst beim Lesen die Distanz wahrt; darum stören auch kleine Sentimentalitäten wie das häufig wiederholte „Juden-Mensch", „Juden-Arbeiter" nicht. Hoyer bringt keine neue Patentlösung und kaum tiefe Fragestellungen; doch hier sehen europäisch scharfe Augen, hier schlägt ein jüdisches Herz. H. B. Friedrich Sieburg, Robespierre, Societäts-Verlag Frankfurt a. M., 1936 Unter den vielen Ereignissen der französischen Revolution, die uns in atemloser Spannung und Erregung festhalten, sobald wir uns ihnen nähern, ist der Sturz Robespierres das spannendste und erregendste. Der hagere, tugendhafte Advokat von Arras, ein Doktrinär des Glücks, war nie der Liebling der Menschen. Viele Mitlebende zwar sahen in ihm den Fels des wiederhergestellten römischen Republikanertums, sehr viele andere aber haßten ihn als ein starres und kaltes Tier in Menschengestalt, und die Nachwelt empfand sein Schicksal als „wohlverdient". Friedrich Sieburg, der tiefe und genaue Kenner der französischen Seele, versteht es, seinen fahlen Gesichts- 522

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