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Der Morgen · 1937-02-01 · Heft 11 (Februar 1937) · p. 490

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
12 (1936-1937)
Issue
Heft 11 (Februar 1937)
Article
Die jüdische Betreuung der nicht-palästinensischen Auswanderung
Date
1937-02-01
Page
490 (sequence 3)
Language
German
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Ig neu Maybaum Schichten berührt wird. Darüber kann die Tatsache, daß Martin Buber von den zionistischen Offiziellen gern als ihr geistiger Repräsentant hingestellt wird, nicht hinwegtäuschen. Buber war gewiß in letzter Zeit dem Zionismus gegenüber mehr Heilsprophet als etwas anderes. Zur echten prophetischen Haltung, die er dem zionistischen Nationalismus gegenüber einnimmt, fehlt bei ihm doch die Entsprechung in bezug auf andere, die chaluzische Jugend faszinierende Ideen. Hier darf der Vorbehalt vorgebracht werden, daß auch Buber auf Zion mehr von politischen Utopien aus blickt als von den jüdischen Motiven, die allein den Zionismus zu einer echten jüdischen Bewegung machen können. Jedenfalls verbietet es das große, dem gesamten Judentum gehörende Werk Martin Bubers, daß man ihn zum Spezialtheologen des heutigen Zionismus macht. Eine eindeutige Äußerung Martin Bubers zu diesem Fragenkreis würde einem tiefgefühlten Wunsch seiner zahlreichen Anhänger entsprechen. Das öffentliche jüdische Leben, für das, wie gesagt, der Zionismus am meisten verantwortlich ist — spricht von Chaluziut und nicht von den Tränen der Eltern, die durch ihre Kinder mit der Chaluziut in Zusammenhang stehen. Es spricht proklamatorisch von Palästina und nicht von den Sorgen und Wünschen unserer Brüder und Schwestern, die dort sind. Nie ist die Rede davon, daß der Kibbuz — wenigstens so, wie er jetzt ist — unserer Jugend ein Schicksal eröffnet, das wir als Juden und Europäer nicht billigen können. Nie ist die Rede von der Liquidation der Judenstaatsidee, einer Idee, mit der der allgemeine Zionismus ideologisch im Grunde ebenso verbunden ist wie der' Revisionismus; diese Liquidation, sei das Resultat der politischen Ereignisse in Palästina wie auch immer, ist schon als Faktum sichtbar. Nie ist die Rede von der Krise, in die die jüdisch-nationale Ideologie geraten ist. Diese längst latente Krise konnte dadurch erkennbar werden, daß Palästina für die Raum suchende Auswanderung des heutigen Ausmaßes an Bedeutung immer geringer wird. Die jüdische öffentliche Meinung wird von jüdischen Politikern gemacht. Das erklärt alles. Der Politiker dient dem Ziel und verwendet die Menschen. Der Dienst am Menschen selbst aber ist allein das jüdische Ziel. Die jüdische öffentliche Meinung wird heute zu oft von Menschen gemacht, die aufgrund ihrer Ideologie den Kontakt mit der Wirklichkeit, wie sie heute der jüdische Mensch lebt, nicht mehr besitzen. Diese jüdische öffentliche Meinung steht auch mit dem echten Geist des Judentums nicht mehr in Verbindung. Wer vertritt heute in der jüdischen Öffentlichkeit das Wort von Jesaja 49, 5—6? „Nun aber spricht Gott, der mich gebildet vom Mutterleib, daß ich ihm Knecht sei, 490

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