Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 12 (1936-1937)
- Issue
- Heft 8 (November 1936)
- Article
- Ein Abraham-Roman [Rezension]
- Date
- 1936-11-01
- Page
- 378 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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griechischen, persischen und indischen Einflüssen zu erklären und geheimnißt einen Dualismus in das System dieses Propheten hinein, der dessen Monotheismus fremd ist. Fürstenthals „Abraham" knüpft an Flegs „Moses" an, der den Büchern dieser drei Nichtjuden zeitlich vorangeht und aus der Gesinnung jüdischer Renaissance erwachsen ist. Fürstenthal übernimmt von Fleg die Technik, die biblische Erzählung mit den Oberlieferungen von Midrasch und Haggada auszuschmücken und der Sage einen neuen Baustein anzufügen, indem er sie weiter ausspinnt. Mit Thomas Mann und Friedrich Meissinger hat er gemein, daß er in die Zusammenhänge der jüdischen Religion mit den Kulturen Vorderasiens hineinleuchtet — und es glückt ihm leidlich, in flüssiger Diktion und sauberer Disposition die Schwierigkeit zu überbrücken, die von der zwiefachen Wurzel der künstlerischen Entstehung herrührt. Das Buch ist, trotz echtem religiösem Gefühl, mehr Fleiß-Arbeit als starke dichterische Eingebung, sein Wert mehr ethisch-pädagogisch als dichterisch-künstlerisch. Die Sagen der Juden in das Geschehen der Bibel einzufügen ist dem Verfasser geschicktergelungen als die Verwertung nichtjüdischer Anregungen seiner Zeitgenossen. Er verfährt nur da etwas gewaltsam, wo er seinen Helden zum Verfasser des „Buches Jezira" macht, bloß um auch diese kabbalistische Überlieferung anzubringen. Es ist wohl historisch richtig, daß es schon vor Abraham eine ethisch-religiöse Welt bei den Nachbarvölkern gab, Vorstufen des jüdischen Gottesglaubens. Aber es geht nicht an, vor Abraham von Hebräern zu sprechen und diesen selbst in so nahe Beziehungen zum Babyloniergott Marduk zu bringen. Dagegen war es angebracht, Abrahams Begegnung mit dem Priesterkönig Malki-Zedek „historisch" vorwegzunehmen. (Bei Gelegenheit des „Malki" sei erwähnt, daß der gleiche semitische Wortstamm „mlk" z.B.: in „Malki, Melech, Melkart" — auch in dem mexikanischen „Malinche" [König, Herr] steckt, daß die Mexikaner Pyramiden kannten wie die Ägypter, — merkwürdige Übereinstimmungen, mit denen sich meines Wissens bis jetzt weder die Ethnologie noch die Linguistik beschäftigt hat.) Ein guter Gedanke war es, gemäß der Sagenüberlieferung, deren Quellen Fürstenthal im Anhang mitteilt, den Turmbau von Babel ins Zeitalter des Nimrod (Ninos, des Gründers von Ninive) zu verlegen. So wird das gedankliche Gegenspiel zu Abrahams Verkündung des unsichtbaren Gottes ein einprägsames Bild. Auch sonst hebt sich die magisch-dämonische Welt der vergotteten Dynastie gegen die geistig-sittliche des Ewig- Einen, die Abraham lehrt, scharf ab. Der Roman, der eigentlich nur Abram heißen dürfte, da er mit der Wanderung Abrains von Ur nach Kanaan schließt, enthält die schwerste Prüfung von Abrahams Gottvertrauen, die Opferung Isaaks, nicht mehr. Aber das Werk wird getragen von der Sehnsucht des Verfassers, einem zweifelnden Geschlecht das Vertrauen in Gottes Macht, Weisheit und Güte wiederzugeben. Lutz Weltmann. 378