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Der Morgen · 1936-11-01 · Heft 8 (November 1936) · p. 341

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Journal
Der Morgen
Volume
12 (1936-1937)
Issue
Heft 8 (November 1936)
Article
Eine Million zuviel
Date
1936-11-01
Page
341 (sequence 5)
Language
German
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Eine Million zuviel mit unzureichenden Mitteln unternommen wurde, bieten ein für alle Teile abschreckendes Beispiel. Größere Bevölkerungsbewegungen können sich unsichtbar und privat nicht mehr vollziehen, sie müssen über den internationalen Verhandlungstisch geleitet werden und sind vom ersten Augenblick an mehr als die Angelegenheit nur eines Landes: sie haben das Format von Weltproblemen. Es ist wichtig, festzustellen, daß die polnische Regierung diese Erkenntnisse ihren Schritten offiziell zugrundelegt. Ein neuer Abschnitt der jüdischen Wanderungsgeschichte ist damit eingeleitet. Gewiß ist hierbei weniger die Rücksichtnahme auf jüdische Interessen als vielmehr politische Einsicht maßgebend. Die Juden, die heute in den ostjüdischen Vierteln nordamerikanischer Städte leben, haben, obwohl sie oder ihre Eltern oft vor einem Menschenalter Polen verließen, auch heute noch starke Bindungen an ihre alte Heimat. Nur eine Menschengruppe, die ein Land im allseitigen Einverständnis und in Zufriedenheit verläßt, kann wirtschaftliche und geistige Propaganda in der Fremde treiben. Künftige Handelsbeziehungen aber sind Argumente, die von den polnischen Regierungskreisen, deren Sorge um den internationalen Handel mit Rücksicht auf die junge Industrie bekanntermaßen groß ist, gewiß nicht außer acht gelassen werden. Es war deshalb nicht mehr als selbstverständlich, wenn polnische Minister betonten, nur eine in Übereinstimmung mit den Juden selbst betriebene, von allen Gewaltmaßnahmen freie Aus Wanderungspolitik sei denkbar und könne dem Land den erhofften Nutzen bringen. Im Grunde erfüllt sich, wenn heute eine europäische Regierung eine komplexe und konstruktive jüdische Wanderungspolitik betreibt, ein Herzisches Ideal. Herzl war es, der in gewaltiger Konzeption die Bedeutung der Judenfrage für die Völker erkannt und verkündet hat, der dann selbst das Interesse und die Mitwirkung europäischer Regierungen für sein Ziel zu gewinnen suchte. Die Zionisten von heute denken freilich anders. Es hat auf zionistischer wie auf nichtzionistischer Seite einen 341

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