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Der Morgen · 1936-10-01 · Heft 7 (Oktober 1936) · p. 325

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Journal
Der Morgen
Volume
12 (1936-1937)
Issue
Heft 7 (Oktober 1936)
Article
Presseschau: Ideologie und Politik / F. F.
Date
1936-10-01
Page
325 (sequence 1)
Language
German
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Presseschau: Ideologie und Politik Die große Frage, in welchem Maße Ideen den Inhalt der Politik ausmachen, zu der in dem vorliegenden Hefte vom jüdischen Standpunkt aus Stellung genommen wird, sucht vom allgemeinen deutschen Standort aus Andreas Pfenning in einem Aufsatz „Zum Ideologie- Problem" (Volk im Werden, 4. Jahrg., Nr. 9) zu beantworten. Die Ideologie-Frage — sagt Pfenning — ist eine politische und eine philosophische Angelegenheit zugleich. Sie stellt den Punkt dar, an dem der Zusammenhang zwischen Philosophie und Politik am deutlichsten zutage tritt. Die politischen Auseinandersetzungen vollziehen sich ja nicht nur in der Sphäre des Handelns, der unmittelbaren Aktion, sondern zugleich auch in der Sphäre des Bewußtseins. Der politische Kampf ist immer auch ein geistiger Kampf. Die „Ideen" der kämpfenden Gruppen sind notwendige, dem politischen Kampf wesenseigene, von ihm nicht zu trennende Erscheinungen. Die Bewußtseinshaltung einer politischein Gruppe (sei es Partei, Klasse, Elite, Bewegung oder Volk) ist für den Kampf um die Macht ebenso wichtig wie für die Behauptung der Macht. Sie ist gleichermaßen Waffe und Rüstzeug im politischen Kampf. Sie ist für die Niederringung eines Gegners nicht minder bedeutsam als für die Errichtung einer neuen Ordnung, für den Erfolg einer Erziehung, für die Menschen und Umwelt formende Kraft eines politischen Willens. Der Gedanke, daß die europäische Kulturgemeinschaft trotz aller realpolitischen Gegensätze der einzelnen Völker von übergeordneten Ideen zusammengehalten werde; wird in einem Beitrag „Um die Zukunft Europas", einem Dreigespräch zwischen einem Deutschen, Franzosen und Engländer, nachdrücklich vertreten (Volk und Reich, Politische Monatshefte, 12. Jahrg., Nr. 7). Am Schlüsse jener fingierten Aussprache heißt es: „Ist schließlich Harmonie nicht eine Sache des Abstandes? Wie vieles erscheint uns als ein großes Unglück, was kaum einige Monate später sich als eine heilsame Reinigung erweist? Wird nicht eines Tages auch die Spannung zwischen den großen europäischen Nationen, an der sich schließlich allein die ganze weltüberwältigende europäische Formenwelt entwickelt hat, als fruchtbarer Zwiespalt erkannt werden? Wäre Frankreich, was es ist, wäre der französische Geist, was er wirkt, wenn Deutschland und England nie gewesen wären und umgekehrt wäre Deutschland, was es ist, wenn der lebenspendende Kampf mit Frankreich nicht gewesen wäre? Freilich ist es jetzt an der Zeit, diesem Wettkampf in abgesteckten Grenzen eine neue Form zu geben. Ein europäischer Krieg zwischen diesen Nationen — und darüber sind wir uns wohl einig — wäre das Ende Europas." F. F. 325

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