Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 12 (1936-1937)
- Issue
- Heft 6 (September 1936)
- Article
- [Rezension] / -gg-
- Date
- 1936-09-01
- Page
- 288 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- spine
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und durch gelegentliche stilistische Veränderungen zu säubern und so in anständiges Deutsch zu bringen. Eine Unsitte vor allem empört ihn, das ist der Mißbrauch, der mit manchen Worten, besonders natürlich mit Superlativen getrieben wird. Jeden Unglücksfall nennt der Berichterstatter „tragisch", er scheut nicht davor zurück, dieses Wort beim trivialsten Anlaß — ob ein Huhn überfahren oder ein Kirschenpflücker von der Leiter gestürzt ist — zu gebrauchen. Der Schriftsetzer Johannes will dagegen ankämpfen. Er läßt sich beim Chef des lokalen Teils der Zeitung melden, um ihm seine Beschwerden vorzutragen. Aber der so Empfindsame stößt auf kein Verständnis, der Redakteur wirft ihn heraus, — eine Stunde später, nachdem er eine Viertelspalte voll unerhörter Fehler zusammengesetzt hatte, bricht er tot zusammen. Der Lokalchef, dem die Aufgabe zufällt, in einer kleinen Notiz von dem Todesfall zu berichten, diktiert erst: „Tragischer Tod eines Dichters", dann fällt ihm ein, daß Johannes eine Idiosynkrasie gegen das Wort „tragisch" gehabt hatte, er streicht die Überschrift, setzt statt dessen: „Bedauerlicher Todesfall", aber auch das erscheint ihm noch ungenügend, und so schreibt er endgültig: „Einer von der alten Garde". Die Geschichte ist mit Anmut und mit dem Sinn für psychologische Feinheiten erzählt, die wir aus Hermann Hesses früheren erzählenden Schriften kennen. Sie berührt, ohne zu erregen. Die Menschen, die sich selbst zur „alten Garde" zählen, werden in ihr sicher viel von dem finden, was sie mit dem Schriftsetzer Johannes in unserer unruhigen und übereiligen Zeit verloren glauben. — gg — Margarete Edelheim, Südafrikanisdie Impressionen. Philo-Verlag, Berlin 1936 Die Arbeit des Journalisten ist für den Tag bestimmt, tut ihre Wirkung und versinkt wieder im Strom. Wer pflegt heutzutage noch Zeitungsartikel auszuschneiden und aufzubewahren? In der Sammlung der Reiseberichte, die Margarete Edelheim für die C.-V.-Zeitung aus Südafrika schrieb, kommt nun die Geschlossenheit des Eindrucks voll heraus, und die vielen prägnanten Züge, von einem scharfen Auge gesehen, von geübter Hand aufgezeichnet, ergeben ein Gesamtbild. Zahlen der Statistik und kleine Porträts, Landschaftsschilderungen und Lebensfragen gleiten in buntem Wechsel vorüber; es sind Impressionen, aber weder oberflächliche noch systemlose. Das Leben setzt sich überall aus den kleinen Zügen zusammen, doch wer heut an ein Auswanderungsland denkt, will auch im Sachlichen und Jüdischen Bescheid. So werden viele Augen gespannt in der kleinen Broschüre nach Antworten suchen, die ihnen wichtig sind. —a — Die „Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums" bringt im Augustheft eine Untersuchung von Alexander Alt mann über „Maimonides und die jüdische Mystik", über die Stellung des großen Rationalisten, der doch auch Mystiker war, zur Kabbala einer-, zur katholischen Weltsicht anderseits. Arthur Spanier weist in einer Arbeit über die literarische Form des Gebets auf den gemeinsamen Grundboden des jüdischen und christlichen Gebets hin. 288