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Der Morgen · 1936-09-01 · Heft 6 (September 1936) · p. 287

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Journal
Der Morgen
Volume
12 (1936-1937)
Issue
Heft 6 (September 1936)
Article
Freud-Schüler gratulieren
Date
1936-09-01
Page
287 (sequence 1)
Language
German
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Freud-Schäler gratulieren Zum 80. Geburtstag des Begründers der Psychoanalyse erhebt Reik sich aus den Reihen der Freud-Schüler, um seine. Glückwünsche weniger dem Lehrer und Meister als sich selbst und seinen Mitschülern darzubringen. Dieser Aufsatz, in dem er alles Schulmäßige so weit zu vermeiden trachtet, daß man von Freud und seiner Lehre daraus nichts erfährt, nennt Hermann Hesse: Tragisch. Herbert Reichner Verlag, Wien 1936 Die kleine Erzählung Hermann Hesses, die der Herbert Reichner- Verlag in geschmackvoller Ausstatvorlegt, hat den Titel „Tragisch", und ebenso wie in diesem Titel allein schon etwas von leiser Ironie liegt, ist auch die Tragik, die in der Novelle selbst geschildert wird, gemildert durch den etwas wehmütig- Hinterdrein bjn d|r1?r,un^n 3tets-versieg' Jörn der Soldat , VV ar-nie-im-Krieg . Es will garniemand bei mir sein. Mein Name lautet: ,Ganz-allein£. Willst du ein Stückchen mit mir geh'n? Du brauchst nicht einmal umzudrehn. Ich lauf als Schatten hinterdrein Und stell" dem Glück ein Purzelbein. Mala Laaser sich „Nachdenkliche Gratulation". In der zweiten Abhandlung mit dem Titel „Wir Freud-Schüler" setzt Reik sich mit den Kritikern auseinander, die wohl den Meister, aber nicht den Schüler gelten lassen. Wenn Reik auch die affektive Betonung einer solchen im Grunde gegen den Meister gerichteten Kritik richtig darstellt, ist es doch erstaunlich, wie er die notwendigerweise ebenso affektbedingte Haltung der Schülersituation unberücksichtigt läßt. Gerade von einem Freud-Schüler, der Sinn für Selbstironie hat, hätte man eine ehrlichere Analyse dieses sehr interessanten Themas erwarten können. Statt dessen bleibt Reik zumeist im Oberflächlichen und Anekdotischen, leider auch in dem letzten Aufsatz „Schüler oder Zauberlehrling?", der einige durchaus richtige Hinweise enthält auf das, was an der Analyse lehrbar bzw. grundsätzlich nicht erlernbar ist Max Grünthal. ironischen Ton, in dem der Dichter sie erzählt. Es ist die Geschichte eines Schriftsetzers, der selbst in seiner Jugend geschrieben hatte, aber mit der Zeit nicht mitgekommen war; die Geschichte eines „Vormodernen", wie Hesse ihn nennt, eines aus der „sentimentalen" Epoche, der sich noch für Hölderlin begeistert, für Mörike, für „alle die Herrlichen: Jean Paul, Arnim, Büchner, Eichendorff, Heine". Dieser Schriftsetzer Johannes, der die Sprache über alles liebt, dem sie etwas wahrhaft Heiliges bedeutet, sieht in der Form, wie sie im modernen Zeitungsjournalismus be- oder nach seiner Auffassung mißhandelt wird, Verderbnis und Zerstörung. Und seine eigene Aufgabe erblickt er nur darin, zu bessern, wo er bessern kann, die Artikel, die er absetzen muß, durch richtige Interpunktion,, durch sorgfältig genaue Orthographie 287

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