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Der Morgen · 1936-09-01 · Heft 6 (September 1936) · p. 281

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
12 (1936-1937)
Issue
Heft 6 (September 1936)
Article
Gedenken an Bertha Pappenheim [Rezension]
Date
1936-09-01
Page
281 (sequence 1)
Language
German
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Gedenken an Be Es ist, als verhalle das laute Getriebe des Tages in der Stille, wenn man das Berta Pappenheim-Gedenkheft aufschlägt, das der Jüdische Frauenbund als Juli-August-Nummer seiner „Blätter" herausgegeben hat. Wir hören zuerst ein Gebet voll fordernder Kühnheit, das aus der Verstorbenen eigenen, klaren Schriftzügen zu uns spricht, und wir wollen nicht glauben, daß das Gefäß solcher Kraft zerbrochen ist. Dann spricht neben Max Warburg Martin Buber Worte des Gedenkens und zeigt sie uns: einen „Menschen von Geist und Leidenschaft", „liebesstreng und gewaltig fordernd", eine „weiße Flamme", die erloschen ist. Es folgen Lebensdaten, ein Verzeichnis ihrer Schriften, und darauf das Denkmal ihres eigentlichen Lebens. Aus der Wiener Jugendzeit fehlt leider jedes Dokument, und nur in dem späten Heimweh nach Ischl, dem sie noch 1934 rührenden Ausdruck verlieh, und in den „Wiener Erinnerungen"' ihrer Landsmännin Stephanie Forchheimer ist die Atmosphäre eingefangen, die unveränderlich die seelische Landschaft dieser Frau bestimmte. Zwar Frankfurt a. M., wohin sie 1881 22jährig übersiedelte, war recht eigentlich die Stätte ihrer Menschwerdung, Isenburg die Stätte ihrer Reife. Aber in ihrem Lächeln und in ihrem Hang zum Schönen hatte ihr die Wiener Heimat köstliche Geschenke mitgegeben, die die Pflichtenbürde des ernsten Nordens tragen halfen. Wir sehen diese Bürde sich häufen. Erst Mädchenklub, Flickschulen, Weibliche Fürsorge, dann Gründung des Jüdischen Frauenbundes tha Pappenheim und die Krönung: Isenburg, das Heim für gefährdete Mädchen, Schwangere, Mütter, Säuglinge und Kinder. Alle Sphären dieses erfüllten Lebens sehen wir erst in Bertha Pappenheims eigenen Worten und dann mit den Blicken ihrer Freunde und Mitarbeiterinnen. So fügt sich alles zu einem gelungenen Bildwerk zusammen: ihr Denken und ihr Tun, ihre unerbittliche Forderung an sich und die Menschen, die ihr nahe waren, und ihr feiner Witz, der die Schroffen des Lebens überglänzte; die gerade Einlinigkeit ihres Wollens, das sie selbst vor der bedrohlichen Schwächung durch „Zuvielwissen" zu bewahren strebte, und die Vieldimensionalität ihrer großen Menschlichkeit. Wir lesen all das in den Berichten über ihre soziale Arbeit und in den Deutungen ihres geistigen Wirkens, wir sind dankbar — um nur zwei für viele Namen zu nennen — für die treue Weggenossenschaft Paula Ollendorfs und für die liebende Wesensschau Margarete Susmans. Aber das Schönste sind ihre eigenen Worte. Ob sie darum betet, daß der grollende Zorn in ihr nicht verlösche, der das Unrecht ächtet und das Recht erhöht, ob sie das Hohelied des Lebens singt oder in unendlicher Zartheit kleinste Menschenkinder umfängt, — es ist in allem ein Zug großartiger Hingabe an den Geist, der ihr Gott bedeutet. Ein frommer Mensch war Bertha Pappenheim. Ein demütiger, ein dienender, ein eifernder und liebender Mensch. Wir danken es Hannah Karminski, daß sie in dem Gedenkheft von ihrem Wesen festgehalten hat, was faßbar an ihm war. Eva Reichmann-Jungmann 281

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