Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 12 (1936-1937)
- Issue
- Heft 6 (September 1936)
- Article
- Der Kalender des Jüdischen Frauenbundes [Rezension]
- Date
- 1936-09-01
- Page
- 280 (sequence 2)
- Language
- German
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tos versehenen Kalenders formuliert Anneliese Landau in ihrem Vorwort: Kalender heißt nicht „Lexikon", sondern „Anregung", und diesem gestellten Ziel wird der durch Wort und Bild belebte Kalender gerecht. „Musik im biblischen Judentum" und „Anteil der Juden am Musikleben" sind die beiden Hauptthemen des Kalenders, beide von Anneliese Landau in knapper, allgemeinverständlicher Form eingeleitet. Zur ersten der beiden Fragen sind Bibelstellen herangezogen und gut ausgewählte Beispiele der bildenden Kunst, von einer herrlichen Reliefplastik Jubais, des ersten Flötenspielers, am Florentiner Domturm, bis zu einem Pariser Elfenbeinrelief des 9. Jahrhunderts,, „König David diktiert seine Psalmen". Sehr verdienstvoll an dieser Zusammenstellung ist es — gerade bei einer Auswahl —, daß nicht nur die bekanntesten Darstellungen von Musik in biblischer Zeit gezeigt, sondern daß einem breiteren Publikum auch schwererer zugängliche Werke der bildenden Kunst, Miniaturmalerei oder Details der Großplastik vertraut gemacht werden. So ist z. B. die Gegenüberstellung des Harfe spielenden David aus der Wormser Domplastik und einer modernen Budapester Haggada interessant. Den Anteil der Juden am Musikleben verdeutlichen Tabellen der Dirigenten, Sänger, Instrum entalisten, Musikwissenschaftler usw., Porträtdarstellungen vergegenwärtigen uns die äußere Erscheinung berühmter musikalischer Persönlichkeiten. Notenbeilagen z. B. der ersten hebräischen Notenhandschrift, Vertonungen von Bibelstellen, der in Deutschland bekanntesten hebräischen Festtagsmelodien, ostjüdischer oder palästinensischer Volkslieder, Äußerungen in Vers und Prosa von jüdischen Musikschaffenden und Musikliebenden belegen vielfältig diesen Anteil. Vorzügliche Ausstattung, geschmackvolle Anordnung von Wort und Bild kennzeichnen wieder den diesjährigen Frauenbundkalender. Lotte Pulvermacher. Walter Perl, Das lyrisdie Jugendwerk Hugo von Hofmannsthals. VerlagDr.EmilEbering,Berlinl936 „Früh gereift und zart und traurig", der vollendetste Jüngling der deutschen Literatur, wie Hermann Bahr ihn genannt hat, so ist der 16jährige Hugo von Hofmannsthal als „Loris" in den neunziger Jahren des vorigen Jahrhunderts vor uns hingetreten. Dieses Bild ist in der Erinnerung lebendig geblieben, als längst schon der Dramatiker, der Essayist, der Opernlibrettist Hofmannsthal den Lyriker überwachsen hatte. Perl untersucht in seiner eingehenden Studie die Anfänge, das lyrische Jugendwerk. Er löst seine Aufgabe mit viel Fleiß und Geschmack und ohne in Verzerrung oder Übersteigerung zu verfallen. Er behandelt den Stoff personengeschichtlich und nach stilistischer Systematik. Besonders gelungen ist das Kapitel, in dem er die Einflüsse analysiert, die von der Antike, von italienischer, französischer, englischer Literatur und vom George-Kreis auf den jungen Hofmannsthal einwirkten. Zum Schluß zieht Perl die Verbindungsfäden zur späteren Schaffensepoche des Dichters, in der er die jugendgemäße Haltung des Lyrikers verlassen und die dem Mann anstehenden Formen der Dramatik und des Essais gemeistert hat. Ca. 280