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Der Morgen · 1936-09-01 · Heft 6 (September 1936) · p. 279

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Journal
Der Morgen
Volume
12 (1936-1937)
Issue
Heft 6 (September 1936)
Article
Presseschau: Über das Ewige / F. F.
Date
1936-09-01
Page
279 (sequence 1)
Language
German
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Presseschau: L Probleme der Metaphysik und Dichtung führen Rudolf Alexander Schröder, den großen deutschen Lyriker und Nachdichter, in einer Abhandlung „Zur Naturgeschichte des Glaubens" (Eckart, 12. Jahrg., Nr. 7/8) zu folgender Umschreibung des „Ewigen": „Es soll Menschen geben", meint der Dichter, „für die dies Wort ,Ewig' keine Bedeutung und keinen Inhalt hat. Ich glaube nicht recht an die Wahrheit dieser Behauptung. Aber, wie es auch damit sei, derartige Menschen stellen auf alle Fälle eine verschwindende Minderheit dar, und die Tatsache, daß es ein paar unglückliche Taube, Blinde, Stumme oder Lahme gibt, hindert uns unter keiner Voraussetzung daran, den Menschen als ein hörendes, sehendes, redendes und aus eigenen Kräften bewegliches Wesen anzusprechen. Etwas anderes ist es um unser natürliches' Wissen von dem, was hinter diesem Wort stehe. Es ist wirklich weniger als geringfügig, und auch die Umschreibungen, deren der Mensch sich bedient, um dies Jenseits aller bloß irdischen Erfahrung und Gewahrwerdung zu bezeichnen, kennzeichnen aufs deutlichste unseren Mangel an münzbarem oder wägbarem Wissen von dem, was hinter dem Wort ,Ewig' steht. Wir nennen es das Absolute, das ,Unbedingte', im Gegensatz zu allen Bedingnissen und Bindungen unseres Daseins, wir nennen es auch im Gegensatz zu allem ,Etwas' und ,Ich£ der Welt mit einem finsteren und verzweifelten Wort das ,Nichts'." Dem Ewigkeitsgehalt der hohen tragischen Kunst spürt Rolf Mayr in einer schönen Abhandlung „Antiar das Ewige gone oder Vom Urgrund der Tragödie" nach (Europäische Revue, 12. Jahrg., Nr. 8). Die immerwährende beispielhafte Wiedergeburt des urtümlichen Menschen, der allein das Maß aller Dinge ist, scheint ihm die Aufgabe der Tragödie zu sein. Jedes Volk, als die Mutter des urtümlichen Menschen, wird (nach Mayrs Ansicht) ihn nach dem Vorbild seiner ihm wesensgemäßen Tragödie gebären. Darin liegt der züchterische Wert der tragischen Kunst; sie lehrt, in der anschaulich erhabenen Sprache ihrer Gestalten, den Tod als Geburt, das Ende als Anfang begreifen; sie befreit den Menschen aus den kleinlichen und häßlichen Bindungen des Alltags und eröffnet ihm die weiten, schönen, klaren Zusammenhänge jener „himmlichen Satzungen", die im Menschen als Schicksal wirken. Gegen allen Lärm der Welt nur auf die innere Stimme, den Laut des Blutes, das Gefühl zu horchen, gegen allen Unrat der Welt diese Stimme rein zu erhalten; gegen alle Gewalt der Welt standhaft, todesmutig und opferbereit zu sein: das lehrt die Tragödie in ihren reinsten Formen von Äschylos bis Shakespeare und Goethe; sie ist die geistige Mutter der Helden, wie die Völker die leiblichen Mütter der Helden sind. F. F. Der Kalender des Jüdischen Frauenbundes Der 11. Jahrgang des Kalenders des Jüdischen Frauenbundes ist, noch auf Bertha Pappenheims Anregung, dem Thema Musik gewidmet. Den Sinn eines solchen, zu einem bestimmten Thema mit Text und Pho- 279

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