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Der Morgen · 1936-08-01 · Heft 5 (August 1936) · p. 232

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Journal
Der Morgen
Volume
12 (1936-1937)
Issue
Heft 5 (August 1936)
Article
Königin Christine [Rezension]
Date
1936-08-01
Page
232 (sequence 2)
Language
German
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wurden, hat jetzt das Leben der „Königin Christine von Schweden" beschrieben (E. P. Tal & Co., Wien), nicht als Roman, sondern als Biographie, getreu nach den Quellen. Das war kein einfaches Unterfangen, denn Christine ist von ihren Lebzeiten an bis zur Gegenwart bald als lasterhafter Weibsteufel, bald als zur Erde herabgestiegene Göttin, bald als politisches und wissenschaftliches Genie, bald als impotent in jeder Bedeutung des Wortes dargestellt worden. Neumann hat lange an seinem Buch gearbeitet, bereits 1923/1924 ist es entworfen, erst zehn Jahre später bearbeitet und vollendet worden. Teils bedient er sich der exakt historischen, teils einer psychologisierenden Methode; und so bleibt das Buch manchmal nüchterne Geschichtsklitterung, manchmal erhebt es sich zu phantasievollem Schwung. Aus all diesen Gründen ist das aufschlußreiche Buch nicht recht zur Einheit gediehen. Aber diese Uneinheitlichkeit liegt in Christines Wesen selbst begründet, ja bewirkt geradezu den dämonischen Glanz ihrer Persönlichkeit, die Neumann als typischen Ausdruck des Barock deutet. In dem Bestreben, ein unverfälschtes Bild der abenteuerlichen Königin herzustellen, vergißt Neumann auch nicht die mannigfaltigen Beziehungen Christines zu Juden und Judentum. Christine hat als junges Mädchen Hebräisch gelernt und beschäftigte sich zeitlebens mit dem jüdischen Schrifttum; sie stand in Briefwechsel mit jenem gelehrten Amsterdamer Rabbi Manasse ben Israel, der später bei Cromwell die Rückkehr der Juden nach England bewirkte. Manasse hat ihre Thronbesteigung in hebräischer und portugiesischer Sprache besungen und ihr sein Werk „Conziliador" gewidmet. Manoel Teixeira, zu den führenden Familien der jüdischen Portugiesengemeinde gehörend, verwaltete nach Christines Abdankung ihre sehr verwickelten Vermögensangelegenheiten; während ihres Hamburger Aufenthalts verkehrte sie oft und gern in seinem Haus und hielt auch später freundschaftliche Beziehungen mit ihm aufrecht. Gegen Ende ihres unsteten Lebens, als Christine sich in Rom niedergelassen hatte, beabsichtigte sie, sich selbst zur Protektorin des dortigen „Ghettos der Hebräer" zu ernennen; das Manifest, das sie zu diesem Zweck in beweglichen Worten verfaßt hat, ist bis auf den heutigen Tag handschriftlich erhalten. K.P. Kulturgeschichte In seinem Werk „Kulturgeschichte als Kultursoziologie" (Leiden 1935, A. W. Sijthoff) will der frühere Heidelberger Sozialökonom und Soziologe Alfred Weber eine kultursoziologische Deutung des zentralen Gehalts der Kulturen bieten, soweit sie sich einer universalhistorischen Betrachtung erschließen und vom Standpunkt der Universalgeschichte bedeutsam sind. Nicht einzelne geschichtliche Probleme, sondern die Tradition der gegenwärtig herrschenden Weltkulturen, die Charakteristik ihrer Entwicklungsformen bilden den Gegenstand seiner Arbeit. Nach einer Analyse der Primitiven, der am stärksten an der Tradition festhaltenden Völker, werden die 232

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