Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 12 (1936-1937)
- Issue
- Heft 5 (August 1936)
- Article
- Presseschau: Vom Sinn des Sports / F. F.
- Date
- 1936-08-01
- Page
- 231 (sequence 1)
- Language
- German
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Presseschau: Vom Sinn des Sports In Anbetracht der gegenwärtigen Olympischen Spiele lenkt sich unsere Aufmerksamkeit vornehmlich auf jene Erörterungen, die auf eine geistige Legitimierung des Sportes abzielen. In einem Aufsatz von Karl Megerle „Olympia der Völker" (Die Westmark, 3. Jahrg., Nr. 9) lesen wir: „Über und vor allem aber: das Grundgesetz jedes Sports und jeder Gemeinschaft, die Bereitschaft dem andern die gleiche Chance, die Gleichheit der Rechte und Pflichten anzuerkennen und daraus jene Solidarität der olympischen Mannschaften aller Nationen erwachsen zu lassen, ohne die das olympische Feuer erlöschen müßte, das von allen gehütet wird. Es sind Urgesetze des Spiels, des Sports, des olympischen Gedankens, es sind Grundgesetze des Menschlichen, sobald es sich in Selbstzucht und edler Freiheit über das Alltägliche erhebt. Es sind aber zugleich Urgesetze der Völkergemeinschaft. Ohne ihre Respektierung kommt diese weder zustande noch ist sie zu erhalten. Ihre Verletzung, ihre Vernachlässigung hat Europa dahin gebracht, wo es heute steht: richtungslos, verängstigt, überschwemmt von Mißtrauen, preisgegeben den Kräften der Verhetzung und Zersetzung." Über den Sinn des Kampfspiels äußert sich Hans Eberhard Wilhelm in einem Aufsatz „Vom Bildsinne des Sportwettkampfes" (Leibesübungen und körperliche Erziehung, Nr. 11): „Seit den Tagen, da wissenschaftliche Ärzte und Erzieher die Leibesübungen als Mittel zur Gesunderhaltung des Körpers oder zu dessen planmäßiger Ausbildung zu empfehlen begannen, ist es vielfach üblich geworden, die Leibesübungen überhaupt als ein Erzeugnis des Zweckdenkens hinzustellen und ihren Sinn ganz und gar in ihrer Zweckmäßigkeit' erschöpft zu sehen. Von diesem Standpunkt aus wäre es freilich ein schwieriges Unterfangen, eine Erscheinung wie den Wettkampf mit seiner höchst unzweckmäßigen Erregung und Anspannung einigermaßen zu rechtfertigen; und dennoch hat sich der Trieb dazu bei jungen und gesunden Menschen zu keiner Zeit durch noch so verständig begründete Einsprüche wohlmeinender Menschenfreunde niederdrücken lassen und ist immer wieder, zuletzt in neuester Zeit, unwiderstehlich durchgebrochen. Neben und vor dem Zwecksinne steht noch ein anderer Sinn des Wettkampfes, der allerdings nur dem vom unmittelbaren Erleben ausgehenden Denken wahrhaft zugänglich ist. Wir gehen wohl nicht fehl, wenn wir diesem Bildsinne, dem auf der Seite des Einzelmenschen ein verstandesgemäß nicht ableitbarer Urantrieb zum Wettkampf entspricht, einen wesentlichen Anteil an der Entstehung und Entwicklung des so weitverbreiteten .sportlichen Kampfes' zuschreiben." F.F. Königin Christine Der jüdische Erzähler Alfred Neumann, von dem seit etwa zehn Jahren eine Reihe historischer Romane, gleich wertvoll als Seelenwie als Zeitgemälde, viel gelesen 231