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Der Morgen · 1936-07-01 · Heft 4 (Juli 1936) · p. 189

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Journal
Der Morgen
Volume
12 (1936-1937)
Issue
Heft 4 (Juli 1936)
Article
Ernst Simons Bialik-Monographie [Rezension]
Date
1936-07-01
Page
189 (sequence 2)
Language
German
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sie zu dem Thema, das er behandelt, in keiner Beziehung stehen: „Die radikale Konsequenz, die van Gogh und Kafka aus solchem Dilemma in die Vernichtung der eigenen Werke trieb, scheint Bialik ferngelegen zu haben___„die Beziehungen dieser seiner Begriffswelt zu dem existentiellen Denken Kierkegaards, Heideggers und Rosenzweigs waren Bialik völlig unbekannt ..." — de mortuis nil nisi vere: Kafka ist nicht mit van Gogh in einem Atem zu nennen, ebensowenig Rosenzweig mit Kierkegaard, und alle vier (oder fünf) haben wirklich nicht das geringste mit Bialik zu tun. Dieser Mangel an einordnendem Sinn tritt auch darin zutage, daß die Darstellung bald wie ein populärer Vortrag anmutet, bald ins apologetisch gefärbte Feuilleton abgleitet — an einer Stelle spricht Simon von der „tief jüdischen Vertauschung der Lebensalter, die unsere Kinder so abgründig wissend und unsre Greise so heiter und seidig (!) macht" — und wiederum, mit ihrer Verwendung von Siglen und genauen Seitenangaben für die Zitate, streng wissenschaftlich genommen werden will. Gerade bei solchem Ehrgeiz hätten aber Flüchtigkeiten unterbleiben müssen wie die Titelangabe der Grimmschen „Kinder- und Hausmärchen" als „Volksmärchen"', die Anführung der Genesis-Erzählung von „Tamarund Rüben" statt von Tamar und Juda, die Bezeichnung des Baal Schern Tow als „Israel von Mesritz" statt: von Medshibosh. Eine Lücke geradezu ist es, wenn Simon die besonders volkstümlichen, auch mehrfach vertonten Kindergedichte Bialiks, die schon durch die Verwendung des sefardischen Akzents aus seinem Werk sich herausheben, von der Darstellung ausschließt. Am stärksten reizen die gelegentlichen Urteile des Verfassers zum Widerspruch: wenn er Bialik so nebenher als einen „ganz unromantischen" Dichter charakterisiert, weil nämlich realistische Züge sich bei ihm finden, oder wenn er, umgekehrt, der inneren Rückkehr des Ketzers zum Glauben der Väter nachspürt, wobei der Leser das unbehagliche Gefühl nicht los wird, daß nur der Gott der Phylakterien und der Pfostenschrift gemeint ist. Emanuel bin Gorion. Kleines für Großes „Der Preußische Landesverband jüdischer Gemeinden überreicht zum Zeichen seiner Verbundenheit mit der jüdischen Jugend dem Bar Mizwah .. dieses Buch als stete Mahnung, Treue zu halten dem Glauben der Väter." Jüdischen Jungen zu dem Zeitpunkt, in dem sie in die Gemeinschaft des Judentums, die Gemeinde, als religiös Gleichberechtigte eintreten, die Verbindung mit dieser Gemeinschaft sinnlich, durch ein Geschenk, vor Augen zu führen, ist ein schöner Gedanke; doppelt schön, wenn dieses Zeichen ein Buch ist. Denn es wird vielen, denen über der Entwicklung der Hand die Fühlung mit dem Geist zu entschwinden droht, ein stiller Wink sein: Du gehörst dem „Volk des Buches" zu. Und die Sichtbarkeit des Zeichens vermag das Gefühl der Anonymität zu mildern, das nur zu leicht den Einzelnen vor so ungreifbaren Körperschaften ankommt. 189

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