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Der Morgen · 1936-06-01 · Heft 3 (Juni 1936) · p. 134

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Journal
Der Morgen
Volume
12 (1936-1937)
Issue
Heft 3 (Juni 1936)
Article
Schriften um Maimuni [Rezension]
Date
1936-06-01
Page
134 (sequence 5)
Language
German
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Schriften um Maimuni sondern bedeutet die Einrichtung einer ganzen dauernden, göttlichen, wunderbaren Naturordnung neben und über der gewöhnlichen. Ihrer Ermöglichung dient das Ritual eines Volkes, und alle Handlungen des Rituals dienen dem „Umsetzungsschematismus zwischen Natur und Offenbarung". Aber noch eine andere, ganz prinzipielle theologische Seite hat die Konzeption der anwesenden Gottheit, die die Thora auf jeder Seite beglaubigt: das Problem der göttlichen Allmacht. Es ist, wie Goldberg sagt, das eigentliche Problem der Thora. Die übliche einfache theologische Setzung dieser Allmacht als eines schon dogmatisch gegebenen Sachverhalts schlägt das Problem tot, dessen Begriffsbildung, nach Goldberg, „überhaupt erst geschaffen werden muß'. Gott hat sich „durch das bloße Faktum der Schöpfung in seiner Allmacht beschränkt". Raschi übersetzt einen Vers des Buches Hiob: „Wir haben die Allmacht Gottes nie in ihrer vollen Kraft gefunden . . ."; das heißt, die göttliche Allmacht ist keine schon vorhandene Tatsache, sondern sie ist eine Bewegungsrichtung, das Ziel der Gottheit selbst gleich der Vollkommenmachung der Welt, die nur ein anderer Ausdruck des gleichen Geschehens ist, in dem die göttliche Macht sich erweitert — ein Vorgang, der von einem wachsenden Anwesendsein der Gottheit in der Welt bedingt und mit ihm identisch ist. „Ein Wunder ist das Naturgesetz der fortgeschrittenen göttlichen Allmachtsidee", und das Endziel ist jener eschatologische Zustand, in dem, wie Goldberg Jesajah zitiert, „der Manifestationskreis J's, d. h. der Anwesenheitsraum J's die ganze Erde erfüllt" und Gott die höchste Gegenwart und sichtbare Macht besitzt, die Voraussetzungen für die Verwirklichung der Gerechtigkeit auf Erden sind. Nichts geht aus der Goldbergschen philosophischen Interpretation der Pentateuchwelt, von der diese zusammenraffende Übersicht nur eine sehr undeutliche Vorstellung vermitteln kann, drastischer hervor als: Gott heißt ein für allemal nicht „natürliche", „bestehende", sondern heißt außerordentliche und sich unaufhörlich übersteigernde Ordnung aller Dinge, Gott heißt nicht Normalität, Unsichtbarkeit und Umdeutung des Mangelhaften ins Vollkommene, wenn es nur unabänderlich erscheint, sondern heißt ergreifbare Wirklichkeit des Allerungewöhnliehsten und Vollkommenen, auch wenn das scheinbar Unabänderliche dagegen sprechen will. Und Maimonides? Die Anwendung auf seine Dogmatik nach dem Gesagten ist nicht allzuschwer. Goldberg gibt sie in materialreicher Darstellung. Maimonides, der auszog, das Judentum zu „beweisen" und die Verirrten zurückzurufen, er scheint während des Beweisens, dessen Begriffsapparat er von einem fremden Geiste übernahm, in diesen Geist hineingeglitten und auf die Gegenseite dessen geraten zu sein, das er zu seinem Panier machte. Er suchte — und fand — manches Übereinstimmende zwischen der abendländischen Philosophie und dem Judentum — und wie sollte nicht menschliches Denken vieles Übereinstimmende enthalten? — und er unterdrückte das Widerstreitende. So wie er den Opferdienst als eine „Konzession Gottes an die Heiden" ..erklärte", so steht er, ganz im Geiste der europäischen Einstellung, für die Normalität und gegen das Wunderartige, für eine ratio, die dem Mythos fremd und hilfslos gegenübersteht, gegen eine höhere ratio, die aus derselben Wurzel stammt wie er und ihn einschließt. Erich Unger (Paris) 134

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