Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 12 (1936-1937)
- Issue
- Heft 3 (Juni 1936)
- Article
- Wenn Gott dich je aus seinen Händen läßt
- Date
- 1936-06-01
- Page
- 117 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Edith L. Meyer: Wenn Gott dich je aus seinen Händen läßt Wenn Gott dich je aus seinen Händen läßt, und sei es auch für eine flüchtge Stunde — wenn je sein Name stirbt auf deinem Munde, sein Glanz erlischt auf deines Herzens Grunde: half dennoch ihn, half ihn verdoppelt fest. Denn was er dir an Schmerzen zugedacht, ist nur der eignen tiefen Not entsprossen. Die Träne, die du weinst, hat er vergossen. Und manche Nacht, da du dich zugeschlossen, hat er mit dir, hat er um dich gewacht. Gott hat dich nötig. Und er ringt wie du. Er kennt der Seele wildes Aufbegehren; er ahnt die Zweifel, die dein Herz verzehren, und sieht von seinen lichten Sternensphären in stummem Bangen deinem Kampfe zu. Doch dir zu helfen ist er nicht gewillt. Du mußt dich selbst zu ihm zurückverwandeln. Sein ist das große Schweigen. Dein — das Handeln. Und wie der Kern aus dunkler Schale quillt, formst du dich neu nach Gottes Ebenbild, um einst, auch du, von seinem Geist erfüllt, im ew'gen Kreislauf schweigend mitzuwandeln. Gina Gärtier: FlUCkt itl die Welt (Novelle) Der Gast ging in die Stube, während der Knecht den Gaul saufen läßt. „Auf, Wirtschaft!" — und der Gaul sauft mit Bedacht das gute Wasser. Ein schöner Brauner, den der Knecht gern im Stall stehen hätte, zur Gesellschaft dem Schimmel. Seit der Alte sich vergangenes Jahr vor seiner jungen Frau zeigen wollte — die Pferde im Galopp den Berg hinunter und eins fiel natürlich. Alter Esel, verliebter. Dies hier wäre ein guter Ersatz. Die Fesseln sind dünner als hierzulande, aber der Hintern ist schön breit, glänzend, wogt hin und her. 117