Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 12 (1936-1937)
- Issue
- Heft 3 (Juni 1936)
- Article
- Der schwerere Mut
- Date
- 1936-06-01
- Page
- 99 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Der schwerere Mut selbst näher, jetzt scharf durchzugreifen, ebenso wie es der jüdischen jungen Mannschaft lieber wäre, sich selbst zu schützen als sich schützen zu lassen. Beide würden den Arabern statt des durchsichtigen nur den dauerhaften Vorwand geben, nicht nachzulassen. Der Aufstand muß sich totlaufen, wenn er eine Lehre sein soll. Denn wenn England schon die Nichtfeindschaft Großarabiens braucht — wie weit können die Araber kommen? Waren die Effendis, diese Seldschucken des osmanischen Reiches, jemals Kolonisatoren? Waren die Fellachen jemals frei? Zu einer Demonstration können sich die fanatischen Priester des Islam mit nationalistischer Jugend, kann sich der Großgrundbesitzer mit dem halbnackten Hauraner zusammentun. Doch gelänge es selbst, die Engländer zu vertreiben, die Juden zu unterjochen, so wäre ein arabisches Reich Palästina noch immer ein ferner Traum. Deshalb ist, für die Engländer wie für die Juden, Verteidigung ohne Angriff die einzige Waffe, zähneknirschende Selbstbeherrschung der männlichste Trotz. Die Juden werden das Land nicht verlassen, werden keine Unterdrückung dulden. Die Araber wissen das. Aber sie müssen es auch erfahren. Es war eine jüdische Illusion, Palästina als luftleeren Raum zu betrachten, der allein mit friedlicher Gesinnung und eigener Kraft zu durchdringen sei. Es ist wohl immer so gewesen, daß gekauftes Land auch noch erkauft werden muß. Dafür aber bleibt es dann erworben, auch wenn die Sturme der Welt über den Köpfen brausen. Auch in Zukunft wird Palästina ein Sorgenkind der Judenheit bleiben. Es ist vielleicht gut, daß diese Wochen ängstlichen Bangens auch unter den Juden manch stürmischen Traum eigener Souveränität in diesem Land ausgeblasen haben. Die Araber mögen als Partner noch so unbequem sein; aber sie sind da. Und jeder Schritt auseinander wird eines Tages zurückgetan werden müssen. Noch ist nicht die Stunde, wo dieses Verhältnis des unvermittelten Nebeneinander, dieser gespannte Zustand der Haßbereitschaft sich in Verständnis und Zusammenarbeit lösen ließe. Aber es gibt keine andere Wahl, für die Araber nicht und für die Juden nicht. Noch ist England eine Realität und Panarabien eine Utopie (obwohl Utopien manchmal verwirklicht werden). Doch darf die Gegenwart der Zukunft den Blick nicht verstellen, das Ziel nicht ver- 99