Mannheim
Compact Memory

Der Morgen · 1936-05-01 · Heft 2 (Mai 1936) · p. 93

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
12 (1936-1937)
Issue
Heft 2 (Mai 1936)
Article
Neue Jüdische Lesehefte [Rezension]
Date
1936-05-01
Page
93 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
92% known words query
IRI
…/2895450-2895552-2895555-2906021--08860-2906091
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

■das zu, was ich suchte: „Das Jüdische Jahr", Betrachtungen, Schilderungen tind Erzählungen, ausgewählt und übersetzt von Gertie und Julius Stern („Jüdische Lesehefte", Nr. 8. Schocken-Verlag, Berlin). In diesem treffüchen Heft werden die Feste des jüdischen Jahres, von den hohen Feiertagen bis zu den Natur- und geschichtlichen Festen und Gedenktagen, durch „Quellenstücke", die aus dem jüdischen Schrifttum von der Bibel bis zur Gegenwart ausgewählt sind, näher beschrieben und ausgedeutet. Mit Jenny Radts soziologischer Studie „Die Juden in Polen" wird eine neue Sonderreihe der Lesehefte „Zur Kunde der jüdischen Gegenwart" vielversprechend eröffnet. Die Lebensweise, Wirtschaftsstruktur und Kulturform der drei Millionen Juden, die in Polen leben, werden in jenem Heft (Nr. 9 der Gesamtreihe) nach verschiedenen Seiten hin durchleuchtet. Adolf Leschnitzer, der Herausgeber der Reihe, schneidet ein neues Thema an: „Das Judentum im Weltbild Europas, I. Das Judentum im Weltbild des Mittelalters." Im Vordergrund dieser tiefgrabenden Untersuchung steht das Phänomen der Scheu, die die rätselhafte und daher unheimliche Existenz des Juden der Umwelt einflößte. Als wichtigstes Ergebnis der Untersuchung darf man festhalten, daß das Mittelalter eine Judophobie deshalb nicht gekannt hat, weil für den mittelalterlichen Menschen das Judentum kein Gespenst bedeutete, das herumspukte, sondern eine Erscheinung, die sinnvoll und notwendig in den Zusammenhang seiner Welt eingeordnet war. — Gerade heute, wo die religiös-liberale Geistesart und Haltung vielfachen Angriffen ausgesetzt ist, wird man es dankbar begrüßen, daß einer ihrer hervorragendsten Repräsentanten, Max Diene mann, eine sachliche Würdigung vorgenommen hat: „Liberales Judentum" (Lesehefte Nr. 11). Dienemann stellt zunächst die religiösliberale Idee, dann Entstehung und Glaubenskämpfe des liberalen Judentums und schließlich dessen Entwicklung dar. Trotz knapper Fassung gewährt das Heft einen gut orientierenden Überblick über sein Thema. Fritz Friedlaender. Hugo Adler, Schira Chadascha, eine hebräische Chorsuite, op.18, Leipzig 1935, M. W. Kaufmann Schira Chadascha, ein neues Lied, ist ein anspruchsvoller Titel, der verpflichtet. Adler hat selbst in seinen Vorreden programmatisch klar ausgedrückt, was er eigentlich gewollt hat: „Durch die Bevorzugung chorischer Gestaltung und ihrer strengen stilistischen Gebundenheiten soll eine Klärung und Vertiefung des neuen hebräischen Musikstils erstrebt werden." Oder noch deutlicher in der hebräischen Vorrede: „l'harim et dargat schirat jisrael — um das Niveau des hebräischen Gesanges zu erhöhen." Ein neuer hebräischer Musikstil wird also hier (theoretisch) bewußt gegen einen älteren Stil gesetzt, der nach zwei Richtungen hin als veraltet zu verneinen ist. Abgelehnt wird die Behandlung (Deklamation) der hebräischen Sprache in der heute in den Synagogen üblichen Musik. Es ist doch so, daß das Hebräisch — meist in aschkenasischer Aussprache —, das den älteren liturgischen Kompositionen zugrunde liegt, eine mißhandelte, vergewaltigte Diktion hat. Die Sprache mußte sich 93

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.