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Der Morgen · 1936-04-01 · Heft 1 (April 1936) · p. 43

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
12 (1936-1937)
Issue
Heft 1 (April 1936)
Article
[Rezension] / H. B.
Date
1936-04-01
Page
43 (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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IRI
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Hans Joachim Schoeps, Gestalten an der Zeitenwende. Vortrupp-Verlag Berlin 1936. An den drei Gestalten Burckhardts, Nietzsches und Kafkas, in drei Stufen einer Haltung zur eigenen Zeit, stellt Schoeps das dar, was Nietzsche „abendländischen Nihilismus" genannt hat: die Gottleere und Gottferne dieser Zeit. Es sind gut geschriebene Essays, flüssig im Stil, doch immer beschränkt auf die eine Seite des Bildes: an Burckhardts Gestalt ausgeführt ist nur die aristokratische Abneigung gegenüber der Spätstufe der Demokratie, nicht der Glanz des Bildungserbes selbst, das er durch die Zeiten trug; bei Nietzsche, dessen Angriff gegen das Christentum mit persönlichen Argumenten „abgewertet", dessen eigene Konzeption als „Dichtung" bezeichnet und trotzdem für gültig erklärt wird, deutet kein Wort auf den blendenden Reichtum hin, der die vernichtende Analyse selbst noch zur Tat des wirkenden Geistes macht; und bei Kafka gar wird (für einen seiner Herausgeber höchst sonderbar) auch das Düstere noch verdüstert, wenn (S. 64) der — ungeschriebene — Schluß des „SchloS"- romans ganz negativ gedeutet ist statt in der (an Kafka bezeichnenden) Schwebe der unverdienten halben Gnade. Die Lage des heutigen Menschen, „für den Gott gestorben ist" und der „abgelöst von Glauben und Tradition vergangener Zeiten, mittels und kraft seines Verständnisses der Welt zu Gottes Offenbarung hingelangen will", nennt Schoeps eine „tragische Position" (S. 69). Es ist gewiß eine traurige Lage; aber tragisch ist sie nicht, weder nach jüdischer Auffassung — die „Tragik" in diesem Sinne überhaupt nicht anerkennt —, noch nach christlicher, noch nach antiker. Und selbst in solcher Lage hat Boethius eine „Verteidigung der Philosophie" geschrieben, haben andere ein stilles tätiges Leben sinnvoll zu gestalten versucht, — alles jedenfalls besser als der einzige Rat, den Schoeps weiß: wer sich „zum späten Abendland in seiner nihilistischen Verfassung"' bekenne, werde sich „freilich auch dazu bekennen müssen, mit diesem zusammen notfalls unterzugehen" (S. 57). Warum enthält eine solche Schwarzin-Schwarz-Analyse nicht auch die hellen Lebenswerte, die ihr Bekenntnis zum Abendland überhaupt erst begreiflich machen können? Sie sind doch ebenso in Zweifel geraten wie ihr Fundament? Man könnte, sie nachprüfend, wieder Fundamente legen? Und ist denn diese bedenkenlos verallgemeinernde Entgötterung des abendländischen Menschen richtig? Aber Schoeps will solche morose Untergangsstimmung, die es erlaubt, eine innerlich und äußeriich schwierige Lage ästhetisch zur „tragischen Position" hinauf zuläutern. Wir freilich finden den kleinsten Versuch zu ihrer Bewältigung richtiger und wichtiger, vom abendländischen wie vom jüdischen Standpunkt aus. Nicht umsonst hat die deutsche Sprache schon einmal das bleu mourant einer Modefarbe auf die Dauer „blümerant" genannt. H. B. Eine Kinderfibel Der Schocken-Veriag legt eine hebräische Fibel, „Aleph-Beth", von Herrmann Fechenbach vor, in der das hebräische Alphabet an Tierbildern und -namen veranschaulicht 43

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