Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 11 (1935-1936)
- Issue
- Heft 12 (März 1936)
- Article
- Arabisches [Rezension]
- Date
- 1936-03-01
- Page
- 568 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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lieh ist es ja für den Nicht-Eingeweihten nicht ganz leicht, zwischen dem Arabien Ibn Sa'uds und dem Arabien Karl May& den Trennungsstrich der tatsächlich vorhandenen Realitäten zu ziehen. Darum ist es doppelt begrüßenswert, wenn auch einmal ein deutscher Autor sich mit Arabien und seiner zentralen Figur beschäftigt. Rupert Donkan versucht in seinem, bei Wilhelm Goldmann, Leipzig erschienenen Buch ,jDie AuferstehungArabiens" der Person des Wahabi-Königs gerecht zu werden. Er tut es mit außerordentlicher Liebe, naht dem Problem aber weniger als Forscher denn als ein in sein Objekt verliebter Erzähler. So entsteht ein für den Laien aufschlußreiches Buch, das aber leider nicht allzu tief in das Problem hinabgreift: ein Buch, das spannt, das man wie einen Roman liest, wiewohl es ein Buch der Geschichte dieser Tage ist. Dabei zeichnet es nur Details aus dem großen Gemälde der Auferstehung Arabiens. - Auf einige tatsächliche Irrtümer sei hingewiesen: die Behauptung, daß „die internationale Hochfinanz" London die Balfourdeklaration entrissen habe, ist ebenso unrichtig wie die, daß Abdallah „König" von Transjordanien wurde. Anderseits ist ein „Scheinangriff auf Irak und Mesopotamien" schon deshalb nicht möglich, weil Irak und Mesopotamien zwei Bezeichnungen für die gleiche Landschaft sind. 1933 gab es in Palästina keine Kämpfe zwischen Juden und Arabern. Recht verwunderlich ist in diesem ruhigen, den Tatsachen im allgemeinen entsprechenden Buch eine etwas gehässige Kritik an dem toten Lawrence, der für England weit mehr geleistet hat, als der Autor zugeben will. Unrichtig ist überdies, daß „Ronald Storrs einem Sonnenstich in Arabien zum Opfer fiel", da Storrs später Gouverneur von Jerusalem wurde. Schließlich sei bei dieser Gelegenheit auf . eine Eigentümlichkeit fast der ganzen deutsch-geschriebenen Arabienliteratur hingewiesen: auf die falsche Transskription der arabischen Namen, die oft ein und dieselbe Person derart verschieden bezeichnet, daß man zweifelt, ob es sich um die gleiche Person handelt. Alles in allem aber möchte ich wiederholen, daß das Buch einen guten Einblick in eine Welt gibt, die dem europäischen Leser fremd und mitunter auch befremdend sein muß. M. Ben GavrieL Der Verfasser des Artikels über .Die Araberfrage" (im Februarheft) übersendet uns folgende Erklärung: „Die redaktionelle Vorbemerkung zu meinem Aufsatz ,Die Araberfrage' veranlaßt mich zu einigen erklärenden Worten, ohne damit einer Diskussion, die ich sehr begrüßen •würde, vorzugreifen. Es liegt mir sehr daran, festzustellen, daß ich weder hier noch in einem meiner Bücher oder in den vielen Aufsätzen zur arabisch-jüdischen Frage irgendeine Assimilation der Juden gefordert habe. Wenn ich auch stets für eine restlose Verständigung mit dem benachbarten semitischen Volk eintrete, lehnte ich stets, im vollen Bewußtsein der Verantwortlichkeit, kulturelle, weltanschauliche oder religiöse Angleichung ab. Was ich verlange, war und ist allein die Annäherung der beiden Völker im Sinn der Erweckung eines gemeinsamen palästinensischen Raumgefühls als Vorstufe zu einer pan-semitischen und darüber hinaus pan-asia tischen Einstellung. Dies möchte ich, um alle Irrtümer auszuschließen, ausdrücklich feststellen." M.Y. Ben Gavriel (Jerusalem) 568