Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 11 (1935-1936)
- Issue
- Heft 11 (Februar 1936)
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1936-02-01
- Page
- 520 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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bensweisheit, die hier aus vollen Schalen ausgegossen wird.. Der Osloer Rabbiner Samuel hat diese Gedichte in einer wortgetreuen und schönen deutschen Obersetzung einem weiteren Leserkreis zugänglich gemacht. Er verdient dafür Dank. Eine kurze Einleitung und ein Nachwort orientieren über die Zeitlage. M. L ö b, Göteborg. Ernst Johann, Die deutschen Bachverlage des Naturalismus and der Neuromantik. Verlag Hermann Böhlaus Nadif., Weimar 1935. Man macht sich selten Gedanken über die Bedingtheit der Wege, auf denen der Geist seinen Flug (oder auch seinen Schneckengang) in die Welt nimmt. Daß Literaten über ihre Verleger klagen, gehört fast zum guten Ton; der klagende Verleger spricht sich weniger in der Öffentlichkeit als in der Abrechnung aus. Aber ist es nicht fast ein Wunder, daß es überhaupt gelingen kann, so heterogene Faktoren wie Geist und Geschäft zur Deckung zu bringen? Ernst Johann geht in seiner Studie darauf aus, die Verlagsgeschichte für die Literatursoziologie fruchtbar zu machen, und eröffnet auf kurzem Raum in angenehmer Sprache fesselnde Durchblicke vom einen zum andern Bereich. Mit einem kurzen Rückblick auf die Gestalten der großen Verleger des 19. Jahrhunderts gibt er in den drei Porträts von S. Fischer, Eugen Diederichs und Anton Kippenberg (Inselverlag) einen Begriff davon, wie Literaturbewegungen von starken Verlegerpersönlichkeiten repräsentiert, gefördert und beeinflußt werden; es ist erstaunlich, welche Voraussetzungen zusammentreffen, um einem Verlag ein solch persönliches „Gesicht" zu geben. Um die Jahrhundertwende gibt es eine Schicht reicher Bürgersöhne, denen der Buchschmuck viel verdankt; Literatenkreise, Malergemeinschaften (wie die in Worpswede), Zeitschriften spielen eine Rolle, — die größte aber doch die Persönlichkeit des Verlegers selbst. S. Fischer nimmt nordische Autoren auf, stößt französische ab, bis der Verlag einheitlich ist, und geht über geschäftlichen Mißerfolg hinweg, wenn er sich für Hermann Stehr, Emil Strauss, Carl Hauptmann einsetzt; das Auf und Ab in der Schätzung Gerhart Hauptmanns und die entsprechende Verlagspolitik wäre geradezu ein Dramenstoff. S. Fischer setzt eine neu entstehende Literatur durch; Eugen Diederichs schafft sich sozusagen seine Autoren erst oder holt sie, in Neudrucken älterer Literatur, aus der Vergangenheit; Anton Kippenberg setzt sich gegen die etwas geschmäcklerisch-snobistischen Anfänge des Inselverlages durch und wird, als Verleger der Klassiker, selber zum klassischen Verleger. Nur ein Umrißbild dieser reichen, interessant belegten Entwicklung können wir hier nachzeichnen. Ein Schlußkapitel weist auf die organische Grenze dieser Entwicklung selbst hin: Literaturperioden wechseln, Verlage bleiben. Sie können einer, vielleicht auch zwei der Wellen folgen, dann erstarren sie und hemmen ebenso den lebendigen Fluß, wie sie ihn vorher gefördert hatten. Nur der Geist nimmt weiter seinen Flug (oder auch seinen Schneckengang) in die Welt. — a — 520