Mannheim
Compact Memory

Der Morgen · 1936-02-01 · Heft 11 (Februar 1936) · p. 519

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
11 (1935-1936)
Issue
Heft 11 (Februar 1936)
Article
Palästinabilder [Rezension] / -ch.
Date
1936-02-01
Page
519 (sequence 1)
Language
German
Belongs to
spine
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2895450-2895539-2895550--08625-2905801
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Palästinabilder Die Jüdische Buchvereinigung legt ein neues Sammelbuch „Palästina" vor, fast zweihundert Bilder verschiedener Photographen. Die Einleitung von Georg Landauer gibt, in kurzem Umriß, klar disponiert die Grundtatsachen der Geschichte, Entwicklung und heutigen Situation des Landes. Die Bilder sind sehr klug ausgewählt, ohne Idealisierung, mit sicherem Blick auch für die Struktur der Landschaft und für ihre eigentümliche Schönheit. So liegt gerade in ihrer Gesamtheit eine wohltuend sachliche und richtige Information. Manches Einzelne wünschte man sich noch besser aufgenommen, z. B. von Barak-Jerusalem, der nicht vertreten ist; manches stimmt schon nicht mehr, denn das bauliche Bild ändert sich schnell. Aber das hat, zumal die Reproduktion überwiegend gut ist, wenig zu bedeuten. Eine viersprachige Beschriftung liegt, mit der Karte des Palästina-Amtes versehen, lose bei; aber wenn man, wie es hübsch geschieht, „Sabres", nämlich palästinensische Kinder, zusammen mit einem Feigenkaktus — das ist die ursprüngliche Bedeutung von Sabre — abbildet, sollte man in der Erklärung das Wort nicht schamhaft mit „Sprößlinge" wiedergeben. Im ganzen aber: ein schönes und empfehlenswertes Buch. —ch. Henrik Wergeland, Der Jude und die Jüdin. P. Otntvedt, Oslo 1935. Einer der leidenschaftlichsten Vorkämpfer der Emanzipation der norwegischen Juden war der Dichter Henrik Wergeland (1808—1845). Die Gedanken der Freiheit, Toleranz, Menschenliebe und Humanität lebten in ihm als starke, tief aufwühlende, treibende Kräfte. „Wergelands Dichtung ist Wergeland selbst", sagt ein norwegischer Literaturhistoriker über ihn. Und ein anderer faßt seine Darstellung in folgenden Worten zusammen: „Seine Stärke hegt in seiner unendlich reichen und gesunden Lebensauffassung. Für ihn ist nichts zu groß und nichts zu klein, wenn nur Leben und Menschlichkeit in ihm ist. Oder richtiger: In seinem Geist war alles groß, wenn es nur schaffend war, vom Anpflanzen des Kohls bis zur Schöpfung neuer Dichtung. Das Leben war ihm ein herrliches und teueres Geschenk aus einer schöpferischen Hand, und der Tod die Weihe zu neuem Leben. Und auch hierin behielt er recht, wie jeder Norweger weiß. Sein Geist ist auch nach seinem Tode weiter schöpferisch und lebendig geblieben, er ist eines der stärksten Momente im ganzen geistigen Leben des Volkes..." In Vorschlägen und Eingaben forderte er volle Gleichberechtigung der norwegischen Juden; in zwei Gedichtzyklen: „Der Jude" und „Die Jüdin. Elf blühende Dornenzweige" behandelte er das Thema der Toleranz und Duldsamkeit. „'Jude' und 'Jüdin"', sagt ein Herausgeber seiner Werke, „sind glänzende Muster der seltenen Art Poesie, die in gleich hohem Grad Tat wie Gedicht ist. Wergeland schrieb in seiner Jugend, daß es für den wahren Dichter nur eine Partei geben könne: die Partei des Himmels und der Vervollkommnung der Erde... Diese Art Dichtung bedarf keiner kritischen Durchleuchtung oder erklärender Anmerkungen. Man muß bloß Sinn und Herz öffnen für die von. Schönheit und Liebe durchglühte Le- 519

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.