Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 11 (1935-1936)
- Issue
- Heft 11 (Februar 1936)
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1936-02-01
- Page
- 518 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Spruch darauf erhebt, im künstlerisch-ästhetischen Sinn absolute Geltung zu haben, andererseits einem bestimmten Zweck dienen will: dem nämlich, bei bestimmten Gelegenheiten, in bestimmten Situationen „gebraucht" zu werden wie ein Spaziergang, ein Buch, eine Aussprache. Ähnliches beabsichtigt auch Sturmann. Er will, wie er im Nachwort seines vorliegenden Versbuches erklärt, mit dieser Sammlung „nicht den üblichen Gedichtband für Freunde der Lyrik" geben, „sondern ein Gebrauchsbuch im besten Sinne, das sich ein kulturpolitisches Ziel gesteckt hat". Dieses Ziel nennt er „lebendige jüdische Gesinnung", und wir müssen ihm dankbar zugestehen, daß er es mit seinen Versen erreicht. In drei Teile gliedert sich der Gedichtband „Herkunft und Gesinnung". Der dritte, „Kinder des Ewigen" benannt, ist der schwächste. Hier läßt der Dichter biblische Gestalten vor uns erstehen: formgewandt, plastisch — und doch nicht im letzten ergreifend: der Fluß der Worte ist zu stark, das Wort nicht stark genug. Man vergleiche etwa das Gedicht: „David klagt um Jonatan" mit dem in Thema und Titel gleichen, um so vieles verhaltener und damit bezwingender gestalteten von Else Lasker-Schüler. Seine dichterische Kraft beweist Sturmann im ersten, sozusagen programmatischen Teil des Buches, den er „Aufbruch" betitelt. In diesen Gedichten erweist sich elementar das „Wunder der Herkunft" und die Macht und Stärke der Gesinnung. Es sind Hymnen tiefer, echter Gläubigkeit, Gedichte, so wuchtig und leidenschaftlich geformt, so unmittelbar nahe allen Empfindungen, die jüdische Menschen in dieser Zeit bewegen, daß Manfred Sturmann sie mit Recht „jüdische Gedichte" nennen kann. Indem er sein eigenes Erleben gestaltet, gestaltet er zugleich auch — schönstes Bewußtsein für einen Dichter — das Erleben der Menschen, zu denen er spricht. „Nicht die große Liebe ist es, die schmeichelt, auch in der Züchtigung liegt die Wärme der Nähe...". Heinz Berggrün. Hugo Herrmann: „ Palästina heute — Licht und Schatten". Verlag Hamatara, Tel-Aoiv 1935. Palästina ist heute Klang, Begriff, Hoffnung. Wir lesen unzählige Berichte über dieses Land. Nachrichten überfluten uns, Aufsätze, wirtschaftliche Aufstellungen, Statistiken. Aber das Bedürfnis danach ist auch kaum zu stillen. Hugo Herrmann nennt sein neues Buch „Palästina heute — Licht und Schatten". Es sind Skizzen, wie er in seinem Vorwort sagt. Aber diese Bezeichnung erschöpft den Inhalt des Buches nicht. Denn Herrmann gibt nicht nur die Fülle und Buntheit der Erscheinungen des Landes, — er beherrscht auch die Kunst, aus den Dingen heraus zu sprechen. Wir stehen in diesem Lande, während wir lesen. Wir sehen Licht und Schatten, erleben vor allem das Geschaffene in erster Linie als Voraussetzung des erst Werdenden. Das Buch enthält hübsche Bilder und eine neue, von Herrmann gezeichnete Karte. Es ist übrigens das erste deutsch geschriebene Palästinabuch, das im Lande selbst geschrieben, gesetzt (nicht ohne mancherlei Druckfehler), gedruckt und herausgegeben wurde. Gerson Stern 518