Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 11 (1935-1936)
- Issue
- Heft 11 (Februar 1936)
- Article
- Hymnen an die Einsamkeit
- Date
- 1936-02-01
- Page
- 491 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Emmy Wolff: Hymnen an die Einsamkeit III. Im schwarzen Strom deines Haars funkeln der Menschheit ungeweinte Tränen; dumpf murmelnd erstickt in ihm seliges Geflüster der Liebenden. Abgründig düstern die Brunnen deiner Augen. Über den Ufern wuchernd buscht sich Nachtschatten, wo Tollkirschen giftig, Unheilvolle, deine dunkle Versunkenheit umröten. IV. Göttliche! Menschengeschlechter erntest du grausam zur Speise Dir? Unerbittlich zermalmt sie dein hartverstummter felsenlippiger Mund, — aller Tage Ende. Einmal nur, einmal in jeder Ewigkeit birst nach tausendfacher Qual, — volle Frucht, all einend uns, — heilig aus umschattetem Schöße dir das Werk. Und die Männer der Kehilla sorgten sich jetzt schon darum, wer am Tag Tauchocho zur Parsche der Verfluchungen die Berocho sagen werde; so wie es eben ist unter den Menschen, wo jeder im Unglück des andern sich sorgt, daß ihm selbst nichts dadurch widerfahre. Sender hatte, als er von daheim aufgebrochen war, nur eine unklare Vorstellung von dem gehabt, was er draußen unternehmen werde. Am ersten Tag kam er durch eine Gegend, die ihm noch bekannt war, wenn er auch von dem Dorf, in dem er bis zum nächsten Morgen bleiben wollte, nur den Namen wußte. Ein Bauer 491