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Der Morgen · 1936-01-01 · Heft 10 (Januar 1936) · p. 469

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
11 (1935-1936)
Issue
Heft 10 (Januar 1936)
Article
[Rezension] / F. F.
Date
1936-01-01
Page
469 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Grundlegendes geleistet und sie bei den Kämpfen um die Emanzipation würdig vertreten hat, ein dankbares Gedächtnis bewahrt, während sie ihn niemals von der Verantwortung wird freisprechen können, durch das Sendschreiben an den Probst Teller die große Taufwelle, die er dann selbst so ernstlich mißbilligt hat, geradezu heraufbeschworen zu haben. Dieser Eindruck bleibt bestehen, wenn man die Aufsätze der Gedächtnisschrift, die manches Neue bringen, durchgeht. Ernst Fraenkel gibt, als Vorläufer eines von ihm geplanten größeren Werkes, ein Gesamtbild des Mannes auf dem Hintergrund der Zeit. Friedländer stammte aus einem reichen Königsberger Kaufmannshaus, in dem bereits vor Mendelssohns Wirken deutsche Bildung zu Hause war. In Berlin trat er in den Mendelssohnschen Kreis. Durch Heirat dem Itzigschen Hause verbunden, gehörte er der geistigen wie der Finanzaristokratie an. Sein geistiger Standort ist die Aufklärung, die er überlebt hat, ohne je aus ihrem Bannkreis herauszukommen. Dieser Haltung entspricht auch das Sendschreiben an Teller. Es ist bemerkenswert, daß ein anderes jüdisches Haupt der Aufklärung, Markus Herz, hier nicht mitgegangen ist. Der jüdischen Geschichtsforschung scheint es entgangen zu sein, daß Markus Herz es gewesen ist, der Schleiermacher zu seiner Gegenschrift veranläßt hat. Über das Sendschreiben selbst hat Ellen Littmann mit großer Mühe alle Flugschriften zusammengestellt, die durch das Sendschreiben veranlaßt worden sind; es sind 23, für jene Zeit eine außerordentliche Zahl! Es ist tragisch, mitanzusehen, wie Friedländer sich auch später noch zu dem Sendschreiben bekennt, die Taufe, die er um sich herum anwachsen sieht, beklagt, wie er erleben muß, daß seine Enkel getauft werden, ohne doch je zu ahnen, wieviel er selbst zu dieser Entwicklung beigetragen hat. Daneben läuft die eifrige Tätigkeit des Schtadlans Friedländer für die politische Emanzipation. Hier bringt Ismar Freund manches Neue. Schon Felix Priebatsch hatte in seinem Aufsatz über die Judenpolitik des fürstlichen Absolutismus (in der Festschrift für Dietrich Schäfer 1915) auf die Rolle hingewiesen, die das aufgeklärte Beamtentum bei der Emanzipation der Juden gespielt hat.Freund kommt zu dem gleichen Ergebnis. Moritz Stern lehrt Friedländers eifrige Arbeit auf dem Gebiet des jüdischen Schulwesens und der Reform des Gottesdienstes würdigen. Ismar Elbogen zeigt in seinem Aufsatz über Friedländers Übersetzung des Gebetbuchs die Unausgeglichenheit des Mannes, der sich seinem Werk alsbald völlig entfremdet und in dem Übereifer des Aufklärers die eigenen Gebete, man muß leider sagen, beschimpft. Mit Recht spricht Elbogen hier von einer furchtbaren Tragik. Das Gefühl der Tragik verstärkt sich noch, wenn man die Briefe an seinen Enkel Emil Gottlieb Friedländer liest, die Jacobson veröffentlicht. Der alte Großvater plaudert mit dem längst erwachsenen Enkel, der schon in Amt und Würden steht. Es ist rührend zu sehen, wie er sich abmüht, die Tradition des Judentums zu übermitteln, wie er Riessers Auftreten begrüßt und sich über die Taufe aufregt. Aber—er schreibt an den Enkel, der als Kind getauft worden ist... Hans Kaiisch 469

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