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Der Morgen · 1935-12-01 · Heft 9 (Dezember 1935) · p. 417

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
11 (1935-1936)
Issue
Heft 9 (Dezember 1935)
Article
Ein neuer Beitrag zum Problem der Orthodoxie [Rezension]
Date
1935-12-01
Page
417 (sequence 2)
Language
German
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Macht der Tatsachen zur Anerkennung zwang, ist der „gottgläubige Standpunkt" nicht in der Lage gewesen, sich allgemein durchzusetzen. Die Erklärung, die Kisch für diese Tatsache gibt, ist eine allgemein übliche und wohl auch richtige: daß nämlich das 19. Jahrhundert durch seine positivistische Haltung allen Metaphysikglauben zurückgedrängt und vielleicht zum Teil ertötet hat. Kisch drückt dies sehr pointiert so aus: „An der Interesselosigkeit der Menschen gegenüber letzten Fragen bei begeisterter Freude an erfolgreicher Lösung oberflächlicherer Probleme hat jede positive Religion in dem letzten Jahrhundert zu leiden gehabt." Der Verfasser setzt sich sodann mit den atheistischen und antiatheistischen Strömungen der vergangenen Epoche auseinander und stellt ihnen gegenüber die Forderung einer Anerkennung des Gottesbegriffes, ohne daß dieser begreifbar oder anders als in seinen Wirkungen und Forderungen erkennbar zu sein braucht. Das Problem, das sich bei dieser Forderung ergibt und aus der besonderen durchrationalisierten Haltung des heutigen Menschen in dieser Besonderheit stellt, ist: wie läßt sich ein Glaube mit dem Streben) nach Erkenntnis vereinbaren? Auf diese Frage gibt Kisch die Antwort, daß gerade von der Naturwissenschaft her der Zugang zur Gläubigkeit möglich sein müsse, weil nämlich die Naturwissenschaft selbst vor einer Unzahl von einstweilen unlösbaren Rätseln steht und auch in ihren Arbeitsmethoden auf unbeweisbare Hypothesen nicht verzichten kann. Natürlich gibt es nach der Widerlegung jeglichen Gottesbeweises durch Kant keinen strikten Beweis mehr für das Dasein Gottes. Kisch sucht darum von dem Unerklärbaren in der Natur zum Glauben vorzustoßen. „Das Zweckmäßige und Wunderbare in der Biologie" ist ihm ein Weg zum Glauben. Freilich kann dies nur ein Beginn, sein, der in jüdischer Form fortgeführt werden muß im Sinne der Thora. Lernen und Eindringen in jüdische Tradition sind die unerläßlichen Bedingungen, um zu einem wahren Gottesglauben zu kommen. Es genügt uns nicht ein unbestimmtes kosmisches Gefühl, sondern jüdischer Glaube muß fundiert sein in den Quellen, auf die unser geistiger und seelischer Ursprung zurückgeht, oder, wie Kisch es ausdrückt, in der Offenbarung. An zahlreichen Beispielen zeigt der Autor, wie das Judentum zu diesen Forderungen steht und welche Folgerungen aus den biblischen Geboten zu ziehen sind. Aber bei aller Forderung, zu lernen und nochmals zu lernen, bleibt doch der Kern des Gotteserlebnisses eben ein Erlebnis, das durch die Ratio nicht ersetzt werden kann, aber von ihr unterstützt werden muß. Gläubigkeit und Wissen müssen beieinander wohnen, wenn sie zur Erneuerung beitragen sollen. Gerhardt Neumann Ein neuer palästinensischer Verlag In Tel-Aviv wurde im Anschluß an die Importbuchhandlung Biblion, der neue Verlag Hamatara (das Ziel) gegründet, dessen Programm die Veröffentlichung jüdischer Bücher in europäischen Sprachen vorsieht. Als erstes Verlagswerk erschien das neue Buch Hugo Herrmanns „Palästina heute — Licht und Schatten". 417

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