Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 11 (1935-1936)
- Issue
- Heft 9 (Dezember 1935)
- Article
- Der echte Ring
- Date
- 1935-12-01
- Page
- 416 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2895450-2895539-2895548-2905540--08458-2905604- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
neuer Stern in der Milchstraße golden sichtbar wurde. Den Stein aber warf er ins WeltalL Dann fertigte er drei gleiche Ringe an, die der Mann im Osten seinen drei Söhnen gab. Der Stein, dem außer seiner großen Schönheit auch noch eine eigentümliche Macht innewohnte, begann nun wie ein glühendes Auge durch die Welt zu fliegen. Überall, wo ein starkes, erschütterndes Naturereignis sich bemerkbar machte, glühte er auf: wenn ein Gewitter mit Zickzackblitzen über die Erde hintoste, wenn ein Regenbogen in zauberischer Farbenpracht Himmel und Erde verband, wenn der Ausbruch eines feuerspeienden Berges die Oberfläche der Erde auf weite Strekken verwüstete. Ob Sturmfluten das Meer aufpeitschten, ob schneebedeckte Berggipfel in glühenden Farben aufflammten —, immer waren es einzelne Menschen, die einen Augenblick das Aufglänzen des Steines beobachten durften. Dann schwiegen diese Menschen. Aber die Bewegung des Steines im Weltall schien sich nicht darin zu erschöpfen, daß sie sich in solchen hochgespannten, weithin sichtbaren Naturerscheinungen manifestierte. Manchmal, in stillen Nächten und kleinen Stuben, wenn sich irgendwo aus einem Zusammenklang zweier Menschen ein Geeintes, ein Kind zum Leben rang, dann konnte es geschehen, — aber es geschah nur selten in weiten Zeitspannen — daß der Stein über jenem kleinen Wesen aufleuchtete, ohne daß jemand es bemerkte, nur daß vielleicht die Mutter in verstärktem Lebenswillen das Kind verheißungsvoll als auserkoren betrachtete und segnete. Die Geschichte der Menschheit kennt nicht viele solcher ganz vom Strahle des Zaubersteines umflossenen Menschen. Ihr äußeres Schicksal mag rauh und schmerzlich gewesen sein, aber die innere Glut der Erleuchtung des Zaubersteines durchflutete sie ihr ganzes Leben lang und gab ihnen die Fähigkeit, durch Licht, durch Wärme, durch Kraft in besonderer Form auch auf andere Menschen leuchtend, wärmend, stärkend, formend zu wirken. Ein kleines Häufchen Menschen weiß von dem Kreisen dieses Steines im Weltall. Sie nennen seine Kraft die Schechina. Und warten darauf, daß er einmal ihren Moschiach treffen wird. Dann würde der Stein im Weltall zur Ruhe kommen. Bertha Pappenheim Ein neuer Beitrag zum Problem der Orthodoxie Die kleine Schrift „Wege zum Glauben" (Verlag P. Fink, Köln 1935), die vor kurzem der bekannte Kölner Naturwissenschaftler Prof. Bruno Kisch vorgelegt hat, stellt einen höchst bemerkenswerten Beitrag zum Problem der Orthodoxie dar. In ihren 40 Seiten enthält die Broschüre eine Fülle interessanter und wichtiger Anregungen, die geeignet sind, das Problem von einer neuen Basis her wieder aufzurollen. Kisch zeigt im ersten Teil seiner Schrift die Mißverständnisse, denen die Gläubigkeit ausgesetzt ist. Während die aus sozialen und politischen Faktoren entstandenen Bewegungen im Judentum, wie beispielsweise der Zionismus, immer mehr an Verständnis auch bei den gegnerischen Gruppen gefunden haben, weil die 416