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Der Morgen · 1935-09-01 · Heft 6-7 (September 1935) · p. 317

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
11 (1935-1936)
Issue
Heft 6-7 (September 1935)
Article
Jüdische Lesehefte [Rezension]
Date
1935-09-01
Page
317 (sequence 2)
Language
German
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im jüdischen Volksschulunterricht sehr erschwert: der Anschaffungspreis kann den verarmten Eltern unserer Volksschulkinder in der Regel kaum zugemutet werden. Obwohl die Jüdischen Lesehefte ja nicht bloß für den Schulgebrauch, sondern ebenso sehr für die bündische Erziehungsarbeit und Erwachsenenbildung bestimmt sind, legen sie daher den Wunsch nahe, daß innerhalb ihres Rahmens billigere Lesestoffe nur für Schulzwecke erscheinen mögen. Fritz Friedlaender Moritz Heimann Er ist nun zehn Jahre tot. War er eigentlich ein „berühmter Mann"? Die Antwort darauf muß paradox sein, wie alles, was diesen außerordentlichen Menschen angeht — paradox im Sinne eines Widerspruchs, der eine hohe Einheit bedeutet. Moritz Heimann war zu seinen Lebzeiten weithin gekannt und gleichzeitig als geistige Person, als Schöpfer beinahe unbekannt. Denn er war der Lektor des damals führenden Verlages S. Fischer, und alle Literaten kannten ihn und priesen seine hellsichtige produktive Kritik und menschliche Güte. Aber nur wenige wußten, daß dieser Moritz Heimann ganz für sich selbst ein Denker und ein Dichter war, den zu begreifen es lohnte; und noch seltener versuchte jemand, diesen Denker und Dichter dem Publikum zu zeigen. Heute tritt seine äußere Wirksamkeit ins Historische zurück; aber aus dem, was er geschaffen, geschrieben hat, müssen wir versuchen, uns seine lebendig wirksame Gegenwart zu erhalten. Diese Gegenwart ist durch das Ineinandergreifen seines Denker¬ und Dichtertums nicht weniger paradox. Denn auf Klarstellung gegeneinander abzuwägender Begriffe scheint sein ganzes Wirken gerichtet; aber im Grunde seines Wesens liegt die tiefere Erkenntnis von der Unzulänglichkeit aller Begriffe, leuchtet das Wort: „Die Welt ist". Und so lebt sein Wesen von „einer Hoffnung, wahr zu werden in einem nicht gemeinen Sinne". So wird der Denker zum Dichter. Moritz Heimann hat Novellen geschrieben (den größten Wurf zeigt wohl der „Dr. Wislizenus") und eine ganze Reihe von Dramen: „Joachim von Brandt" spielt an der preußischen Grenze; „Der Feind und der Bruder" in der venezianischen Renaissance; „Armand Carrel" ist dramatisch ein sehr tiefgehender Kampf um die Reinheit der Presse — und zuletzt „Das Weib des Akiba", ein jüdisches Motiv aus der Römerzeit. All diese dichterischen Werke sind nicht vollkommen, sie haben den paradoxen Weg durch die denkerischen Gegensätze zur Einheit des Gefühls nicht völlig zurückgelegt, haben die Eierschalen des Begrifflichen nicht völlig abgestoßen; aber in allen diesen Werken leuchtet doch die dichterische Gefühlskraft vielfach auf in Augenblicken von hinreißender Stärke und überglänzt die ganze Komposition. Und dann gibt es prosaische Schriften von Moritz Heimann, vier Bände Aufsätze und Aphorismen, und das sind sprachliche Meisterstücke, wunderbare Prägungen des Geistes, der aus 317

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