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Der Morgen · 1935-09-01 · Heft 6-7 (September 1935) · p. 271

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
11 (1935-1936)
Issue
Heft 6-7 (September 1935)
Article
Die Juden im Donauraum
Date
1935-09-01
Page
271 (sequence 1)
Language
German
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IRI
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weraer cahnmann: Die Juden im Donauraum Die Donauländer Ungarn, Österreich und die Tschechoslowakei, die Kernländer der alten habsburgischen Monarchie, sind der Mischkessel der europäischen Unruhe. Auch die Judenheiten dieser Länder zeigen alle Elemente der Mischung und des Übergangs. Unter einer Gesamtbevölkerung von 30 Millionen Menschen befindet sich auf diesem Gebiet eine Zahl von ungefähr 1 Million Juden. Die Dichtigkeit der jüdischen Bevölkerung ist also im Ganzen gesehen größer als im Westen, aber geringer als im Osten Europas. Die österreichischen Alpenländer von Vorarlberg bis nach Steiermark sind beinahe judenleer. Die Sudetenländer Böhmen, Mähren, Schlesien zeigen eine Schichtung der jüdischen Siedlung, die derjenigen im Reich weitgehend ähnlich ist. Es gibt dort Reste einer ehemals starken Dorf- und Kleinstadtjudenschaft, für die seit Jahrhunderten die uralte Gemeinde Prag den Mittelpunkt bildet, wie Frankfurt für das südliche und westliche Deutschland. Restungarn und die seit 1919 von den Ländern der Stephanskrone getrennte und zum tschechischen Staatswesen geschlagene Slowakei stellen mit einem jüdischen Bevölkerungsanteil von ungefähr 5o/o schon einen Übergang zum europäischen Osten dar; noch mehr gilt dies von Karpatho-Rußland, dem äußersten an Galizien angrenzenden tschechoslowakischen Landstück, in welchem die Juden über 14o/o der Bevölkerung ausmachen. Budapest mit über 200 000 und Wien mit beinahe 200 000 jüdischen Einwohnern zählen zu den größten jüdischen Gemeinden Europas, ja der ganzen Welt. Diese beiden Sammelpunkte jüdischer Bevölkerungsmassen weisen eine unter sich recht verschiedene Struktur auf. Die Budapester Gemeinde ist ungarisch durch und durch, sowohl nach der Herkunft wie nach der Gesinnung ihrer Mitglieder. Die Wiener Gemeinde ruht auf einem Kern von Menschen, die teils altansässig sind, teils aus den deutschsprachigen Gemeinden der Sudetenländer stammen. Dazu kam aber seit den letzten Jahrzehnten des vergangenen Jahrhunderts eine steigende Einwanderung aus Ungarn und Galizien. Die galizische Einwanderung verstärkte sich während des Krieges um Zehntausende von Flüchtlingen, von denen sehr viele geblieben sind, die noch heute einigen Stadtgegenden, vor allem der Leopoldstadt, das Gepräge geben. An einem schönen Sabbatnachmittag kann man auf der großen Praterstraße alle Typen des polnischen Ghetto beobachten. Auch im religiösen Leben der Juden in den Donauländern läßt sich die Mischung von West und Ost feststellen. Man erinnert sich, 271

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