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Der Morgen · 1935-08-01 · Heft 5 (August 1935) · p. 218

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
11 (1935-1936)
Issue
Heft 5 (August 1935)
Article
An die Sobeide von Hofmannsthal
Date
1935-08-01
Page
218 (sequence 2)
Language
German
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Ludwig Frankl Sobeide, ein Kind noch, in der Verschwiegenheit der Brautnacht ihrem Manne widerwillig gesteht: sie liebe mit aller Innigkeit ihres Herzens einen Anderen. Ihm dagegen könne sie nichts sein als eine demütige Sklavin. Sie kann es nicht fassen, daß der Mann ihr sogleich nach der Eröffnung den Weg aus seinem Haus freigibt. Sie läuft in die dunkle Nacht hinaus, zu ihrem Geliebten. Unterwegs, allein auf der Straße, wird sie überfallen, geschlagen, ihrer Kleider beraubt. Die tiefste Enttäuschung aber erwartet sie im Hause des Freundes selbst. Anstelle eines bescheidenen Liebhabers findet sie einen reichen Prasser, der sich mit seinem alten Vater, einem geizigen Wucherer, um eine freche Kurtisane balgt, mit der er seit Jahren gemeinsam lebt. Sobeides aus allen Höhen gestürztes Herz empfängt den tödlichen Stich des Hohns, des Spotts und der eisigen Kälte. In der Frühe des Tags läuft sie zurück zu den Gärten des verlassenen Mannes, dessen tiefe Liebe zu ihr sie nun begreift. Von Scham überwältigt, stürzt sie sich von einem im Garten stehenden Turm und stirbt. Hugo von Hofmannsthals Werk ist ein kostbarer Schatz, der nur zeitweilig seine Leuchtkraft verlieren kann. In seinem Frühwerk, der „Hochzeit der Sobeide" zumal, mischt sich die leichte Anmut des griechischen Eros mit der reicheren Schönheit des märchenhaften Morgenlands zu einem schweren Duft. In seinem kaum gekannten Spätwerk, zuletzt in „Andreas oder die Vereinigten", ist es weniger das Hellenische und das Orientalische, das sich, verbindet, als vielmehr die herbere Kraft deutschen und italienischen Wesens in einem reineren Europa. Ludwig Frankl: Ein Fest in Damaskus** Wer durch die engen, winkeligen, schmutzigen Straßen von Damaskus geht, zwischen vernachlässigten Häusern, die mit hölzernen Fenstergittern, niederen Türen versehen sind, würde nicht ahnen, daß er sich in einer reichen, die Phantasie jedes Orientalen lockenden Stadt befinde. In einer Stadt, welche eine der ältesten der Erde ist und somit Zeit genug hatte, um sich zu bauen und zu gestalten. *) Aus Frankls Reisebericht „Nach Jerusalem" (1858), von dem In diesen Tagen ausgewählte Teile als Bändchen der Schocken-Bücherei erscheinen. 218

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