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Der Morgen · 1935-07-01 · Heft 4 (Juli 1935) · p. 171

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
11 (1935-1936)
Issue
Heft 4 (Juli 1935)
Article
Morgen am Meer
Date
1935-07-01
Page
171 (sequence 1)
Language
German
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Gertrud saiomon: Morgen am Meer Du weißt Dich mit der Natur Bewegtheit in weiter Runde Allein. Und Woge auf Woge in rhythmischem Bunde fällt nah. — Gischt in Kaskaden, in schimmernden weißen, verstäubt die Sonne verschwenderisch. In Bogen, in Kreisen, licht und durchsichtig schäumen die Perlenmassen. Noch eben nachtgelähmte Luft ist wachgetönt im Blau. Und herrlich über Allem: dieses Brausen, das die Bewegung in dessen endlosem harmonischem Gesang [krönt, sich leicht Gefühle formen lassen: Gleichsam unendlich schwebend, doch von tiefer Schwere ist der Du fühlst es hell: [Klang. Alles Schwersein, aller Druck ist von Dir gegangen und es bleibt in Dir nur das gelöste Verlangen, ganz aufzugeben im wogenden Spiel. Du möchtest das mitnehmen in all Deine Zeiten, dies — von der mächtigen, unendlich weiten Erhabenheit Getragensein. — Doch das wäre wohl des Glückes zuviel . . Erich Rott / Alt-Berliner Puppenspiele „Adje! Adje! geliebte Hammelherde — Ihr Lämmerken, adjes! Ob ick noch einmal wiederkommen werde? — Wer weeß? Wer weeß?" „Mit Jötterkraft schmückt mir der Helm von Eisen, Corage hab ick wie ein Cherubim, In die Bataille scheint er mir zu schmeißen, Er dreibt mir fort mit Windes Ungestüm. Mein Mut, der macht mir schon verrückt--" — bei diesen Worten unterbrach jenen Alt-Berliner Puppentheaterdirektor, der sich so seine „Jungfrau von Orleans" umdichtete, die minder klassische Aufforderung: „Na Justav, wolln wa nich ma' een' kippen?" Gustav verleibte daraufhin dem Stück eine Pause und sich selbst eine Molle ein. Dann ließ er seine Jungfrau weiterdelclamieren. Die Zeit, in der jene Jungfrau von Alt-Berlin lebte, liegt um fast hundert Jahre zurück. Johanna hörte schon damals göttliche Stimmen, aber wenn sie selbst sprach, dann — in unverfälschtem 171

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